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Podcast: Twitter und Mastodon als Kanäle von Behörden
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Twitter und Mastodon als Kanäle von Kommunen - Was Verwaltungen jetzt wissen müssen

Vor 4 Wochen hat Elon Musk Twitter gekauft. Irgendwo in Kalifornien, also weit weg von der Realität deutsche Kommunen und Behörden. Könnte man meinen. Aber ist das auch so?

Twitter ist für viele Behörden eine wichtige Plattform zum Transport wichtiger und vor allem zeitkritischer Informationen. Aber sollten Behörden jetzt Twitter überhaupt noch nutzen? Und falls nein, kann Mastodon eine Alternative sein?

Christiane Germann ist Kommunikationsberaterin für Behörden, speziell mit einem Fokus auf soziale Netzwerke. Sie ist sich sicher: Twitter ist wichtig und es wäre ein Verlust für die Bürger*innen, wenn Twitter nicht mehr wäre.
Wie sie dazu kommt, was sie zu Mastodon sagt und welche Tipps sie für Kommunen im Umgang mit Sozialen Medien hat, das verrät sie in dieser Folge.

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Transkript

[Felix Schmitt] Kommunale Digitalisierung, der Podcast mit Felix Schmitt.
Herzlich willkommen zu Folge 34 meines Podcasts zur kommunalen Digitalisierung. Mein Name ist Felix Schmitt. Ich bin dein Moderator und Begleiter auf dem Weg in die kommunale Digitalisierung.
Vor vier Wochen hat Elon Musk Twitter gekauft. Irgendwo in Kalifornien, also weit weg von der Realität deutscher Kommunen und Behörden könnte man meinen, aber ist das auch so?
Twitter ist für viele Behörden eine wichtige Plattform zum Transport wichtiger und vor allem zeitkritischer Informationen geworden
Aber sollten Behörden jetzt Twitter denn überhaupt noch nutzen?
Und falls nein, kann beispielsweise Mastodon eine Alternative sein? Christiane Germann ist Kommunikationsberaterin für Behörden, speziell mit einem Fokus auf soziale Netzwerke.
Sie ist sich sicher: Twitter ist wichtig und es wäre ein Verlust für die Bürgerinnen, wenn Twitter nicht mehr wäre.
Wie sie dazu kommt, was sie zu Mastodon sagt und welche Tipps sie für Kommunen im Umgang mit sozialen Medien hat, das verrät sie mir heute.
Denn sie ist heute mein Gast. Hallo Christiane, ich grüße dich.

[Christiane Germann] Hallo, ich grüße dich auch. 

 

[Felix Schmitt] Wenn sich jemand mit Social Media im Bereich von Behörden, im Bereich von Kommunen auskennt, dann bist da du mit Sicherheit eine der ersten Ansprechpartnerinnen hier in Deutschland, die man fragen wird und wir sind jetzt heute bei der Aufnahme genau einen Monat, nachdem die Übernahme von Twitter durch Elon Musk bekannt gegeben wurde und in diesem einen Monat, das fühlt sich ja irgendwie
sehr sehr lange an, da ist ja unglaublich viel passiert. Kurz zusammengefasst kann man das vielleicht so formulieren, in einer Frage:
ist Twitter heute überhaupt noch ein Kanal, auf dem sich öffentliche Stellen herumtreiben sollten.

[Christiane Germann] Im Moment würde ich sagen sollte man sich das erstmal angucken. Also Twitter ist ein unheimlich wichtiges soziales Netzwerk für Behörden eins der wichtigsten und ich sehe dass Elon Musk das gekauft hat auch als kritisch an. Ich habe mich auch nicht gefreut, als dass das erste Mal aufkam und ja was jetzt in dem Monat passiert ist, ist meiner Meinung nach auch nicht viel Gutes dabei bisher, also ja, dass Trump zurückkommen darf, halte ich für extrem kritisch, wie die Mitarbeiter*innen behandelt werden, finde ich extrem kritisch. Dennoch ich bin noch auf Twitter, ich würde jetzt auch nicht einfach die Plattform verlassen, sondern ich schaue jetzt erstmal an, wie sich das entwickelt. Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und es wird ganz gut.

[Felix Schmitt] Du hast gerade schon erwähnt, für dich ist Twitter ein sehr, sehr wichtiges Social Media Tool. Trotzdem ist es ja gerade so, dass durch den Kauf von Elon Musk und das, was jetzt in den letzten Wochen passiert ist und was ja jetzt auch angekündigt wurde, was alles noch kommt. Also ich erinnere mich so an diese Aussage von ihm, bitte erwartet in den nächsten Wochen, Twitter wird sehr viele blödsinnige Sachen machen, die am wenigsten blödsinnigen, werden wir behalten, den Rest wieder löschen. Das heißt, er stellt ja so ein bisschen selber auch in Frage, dass dieser Kanal so bleibt, wie er ist oder sich vielleicht in eine komplett andere Richtung entwickelt.
Trotzdem hast du ja gesagt, Twitter ist ein besonders wichtiger Kanal. Kannst du mal beschreiben woher diese Bedeutung für öffentliche Stellen kommt und warum der
für öffentliche Stellen so wichtig ist? 

 

 
[Christiane Germann] Ja gern, also genau, ich betreue Behörden und öffentliche Stellen und für die hat Twitter vor allem zwei große Vorteile oder zwei Schauplätze und zwar ist das einmal Krisenkommunikation. In der Krisenkommunikation ist Twitter einfach unheimlich wichtig, weil man da am schnellsten Kontakt aufnehmen kann mit der Öffentlichkeit, also schneller noch als eben über Facebook und Instagram. Einfach über die Hashtags, wenn was passiert ist, kann man in Sekundenschnelle sich beteiligen und Nachrichten breiten und ja wir erinnern uns ja vielleicht an den Amoklauf in München im Olympia-Einkaufszentrum zweitausendsechzehn, als die Polizei München da eben über Twitter so wahnsinnig gut kommuniziert hat. Die Bevölkerung und die Medien auf dem Laufenden gehalten hat und im gleichen Jahr war ja der Anschlag auf den Breitscheidplatz hier in Berlin, wo die

Polizei Berlin eben auch so eine wahnsinnig gute Arbeit über Twitter gemacht hat. Aber es ist nicht nur bei den ganz großen Ereignissen oder bei den ganz großen Behörden wichtig, sondern auch zum Beispiel lokale Feuerwehren sind halt auf Twitter aktiv, wenn’s um kleinere Einsätze geht. Städte, die Bombenentschärfungen haben informieren halt über Twitter, Öffentlichkeit und Medien und da gibt’s einfach keinen vergleichbaren Kanal und deshalb ist genau also Krisenkommunikation ganz wichtiges Thema und dann ist es eben auch für größere Behörden, eher im großstädtischen Raum einfach ein wichtiger Kanal, um so mit ihren Stakeholdern und mit den Medien auch Kontakt aufzunehmen. Bei Ministerien, Großstädten ist Twitter ein absoluter Standardkanal der einfach auch so ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen sozialen Netzwerken hat und deshalb ja einen hohen Stellenwert einfach hat. Das gehört immer noch zu den Top 3 der meistgenutzten sozialen Netzwerke von Behörden.

[Felix Schmitt] Du hast gerade auch noch zwei andere genannt, Facebook und Instagram und auch klar gesagt für grade solche akuten Anlässe, ist Twitter eigentlich immer noch der Must-have-Kanal. Kannst du mal sagen, warum sind die anderen zwei genannten Kanäle dafür nicht so gut geeignet, denn wenn ich mich richtig erinnere, haben die ja beide eine teilweise deutlich höhere Reichweite, als es Twitter hat. Also ich habe nochmal nachgeguckt, Twitter im Januar 2022 erreicht knapp 8 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland. Das sind rund zehn Prozent. Vielleicht noch ein paar Multiplikatoren damit, dann sind’s ein paar mehr. Aber da sind wir ja auch, wenn Instagram und Facebook in den letzten Jahren ja Nutzerinnen und Nutzer verloren haben, auch Reichweite verloren hat, sind ja trotzdem noch um Meilen vor Twitter. Warum sind die trotzdem nicht so gut geeignet, wenn es zum Beispiel um solche akuten Ereignisse geht?

[Christiane Germann] Also Facebook hat in der Tat auch eine große Bedeutung in der Krisenkommunikation, definitiv, aber die funktionieren beide verschieden. Bei Facebook ist es ja so, wenn ich jetzt zum Beispiel reinstelle, ja, hier wird eine Bombe entschärft und die Evakuierung läuft gerade.
Wird dieser Post ja über Tage hinaus ausgespielt, dann bekommen den Post in drei Tagen manche Menschen wenn die Entschärfung längst abgeschlossen ist. Das heißt, Twitter und Facebook ergänzen sich sehr gut. Twitter ist für die ganz, ganz schnellen ja sage ich mal sozusagen die Leute minutengenau aufm Laufenden zu halten, was passiert jetzt grade in diesem Moment und Facebook ist besonders
geeignet, um dann nochmal Hintergründe zu erklären, vielleicht den Tag auch zusammenzufassen oder vielleicht zwei, drei Mal am Tag posten, aber eben nicht im Sekundentakt. Und natürlich auch um die Fragen der Bürgerinnen und Bürger zu beantworten. Dafür ist Facebook eben super. Und deswegen sind diese beiden Netzwerke sozusagen in der Kombination so die Besten für die Krisenkommunikation. Instagram spielt bei der Krisenkommunikation keine so große Rolle, auch wenn’s eine ganz hohe Reichweite hat. Das liegt natürlich
so ein bisschen am Hintergrund dieses Netzwerks, das ist so als Lifestyle-Netzwerk entstanden und da geht’s eben eher um schöne Themen. Natürlich kann man das auch mal nutzen, wenn ich jetzt zum Beispiel Bürgermeisterin bin und das ist ein Ereignis, dass ich das vielleicht nochmal in der Story erzähle, aber oder erkläre für jüngere NutzerInnen, aber es ist nicht das Nummer eins Netzwerk für Krisenkommunikation, deswegen gibt’s eben für dieses sekundenschnelle nur Twitter und Facebook ist eben dann für die
direkte Bürgerkommunikation noch mal eine sehr sinnvolle Ergänzung.

[Felix Schmitt] Du hast jetzt vorhin das Beispiel einer Bombenentschärfung genommen. In Deutschland hat man ja jetzt 70 Jahre Tradition im Bombenentschärf. Das also ist ja jetzt nichts, was sozusagen ganz neu ist und man hat es vor 20 Jahren ja auch noch ganz gut ohne Twitter hinbekommen. Warum ist Twitter denn hilfreich oder anders gefragt, warum ist es denn jetzt ein Problem, dass Elon Musk Twitter gerade kaputt macht. Also wo fallen wir da dahin wieder zurück? Was funktioniert dann vielleicht nicht mehr so gut, was jetzt in den letzten Jahren durch Twitter vielleicht besser geworden ist?

[Christiane Germann] Die Menschen haben sich jetzt einfach in letzten zehn Jahren sehr stark an Twitter als wichtiges Nachrichtenmedium gewöhnt, also zum Beispiel ist es ja auch für Journalistinnen auf der ganzen Welt eine ganz wichtige Quelle, die gucken morgens mit als Erstes bei Twitter rein, auch manche Privatmenschen wie ich gucken morgens als erstes auf Twitter rein und gucken, was in der Welt passiert.
Also es ist einfach ein ganz wichtiges Nachrichtenmedium, dass ja inzwischen dazugehört und an das man sich gewöhnt hat und noch dazu, wo bekommt man sonst so unverfälschte, also von Fake News jetzt mal abgesehen, wo bekommt man so direkte Informationen direkt aus erster Hand. Also wenn wir uns jetzt zum Beispiel die Ereignisse im Iran angucken, die Leute twittern ja von vor Ort und wir können das hier aus erster Hand verfolgen. Da als der Putsch in der Türkei damals passiert ist, da waren die Nachrichtensender wirklich erst ein paar Stunden später ja im Grunde vor Ort oder konnten gar nicht so schnell reagieren und da hat sich wirklich das ganze Nachrichtengucken, auf Twitter abgespielt erstmal die ersten Stunden und da kann ich mich auch noch gut daran erinnern, dass deutsche Politiker erst in der Nacht wirklich als allererstes Statement auf Twitter abgegeben haben. Also das war einfach Nachrichten live und das ist eben auch ein ganz großes Alleinstellungsmerkmal von Twitter und wenn jetzt natürlich alle nicht mehr benutzen würden, würde das einfach erstmal ersatzlos wegfallen und das finde ich eine schreckliche Vorstellung.

[Felix Schmitt] Also ich bin jetzt auch schon, ich müsste nochmal nachgucken, aber ist schon fast von Anfang an auf Twitter dabei. Da hat sich ja auch so schon sehr, sehr viel in den Jahren verändert, aber so das grundsätzliche, dass es ein Microblogging-Dienst ist, das ist ja auch geblieben. 
Was ich mich da aber auch frage jetzt mal wenn ich da drin bin, bin ich da als Unternehmer oder mal auch als Privatperson mit drin. Das heißt, ich schreibe immer dienstlich, ich schreibe mal was über Eintracht Frankfurt, aber Kommunen nutzen es ja dienstlich. Nutzen sie das aus deiner Sicht rein für den Outreach, also wenn es zum Beispiel darum geht die Bombe ist nicht explodiert. Es ist alles in Ordnung, bleibt trotzdem noch 500 Meter entfernt oder nutzen Sie das auch als Kanal, um selber etwas zu verstehen, etwas zu lesen oder vielleicht auch Informationen auch aufzunehmen? Gibt es so etwas auch in unterschiedlichen Behörden, die auch auf
sozusagen auf die Inhalte von Twitter angewiesen sind oder sie sich zunutze machen.

[Christiane Germann] Ähm ja, das gibt es natürlich schon. Also ich habe ja selber damals im Bundesinnenministerium in der Twitter-Redaktion gearbeitet und natürlich haben wir auch die Debatten unter den Hashtags verfolgt, die für uns wichtig waren und ich glaube schon, dass die meisten Behörden es nicht nur zum Outreach nutzen, sondern eben auch wirklich reingucken
Wenn Sie dort aktiv sind. 

 
[Felix Schmitt] Mhm, das heißt, da ist es dann auch wichtig, dass eine entsprechende Community dann auch dort ist, damit dort auch etwas passiert. War jetzt mal eine kurze Zusammenfassung an meiner Stelle. 
Jetzt sind wir ja in der Situation. Vor einem Monat wurde Twitter gekauft. Ganz offensichtlich wird es jetzt – 
Es ist schon anders geworden. Es wird wahrscheinlich auch noch anders werden und es gibt eine gewisse ähm diesmal Unplanbarkeit, wie sich dieses Netzwerk ähm weiterentwickeln wird. Warum kann man dann
jetzt nicht einfach auf ein alternatives Netzwerk umsteigen?

[Christiane Germann] Nehmen wir mal an, es würde jetzt wirklich kaputt gemacht werden, dann müssten wir natürlich gucken, könnten wir einen Ersatz finden, wo kommunizieren wir dann? Äh es gibt eben für momentan ist da nichts absehbar, was wirklich an
Genau an Twitters Stelle treten kann, Mastodon ist meiner Meinung nach kein adäquater Ersatz für Twitter und da müsste man halt erstmal die anderen Netzwerke, die es sonst noch so gibt eben nutzen, ähm ja was soll man sonst machen.

[Felix Schmitt] Du hast gerade Mastodon ja auch schon erwähnt. Das ist ja jetzt auch in aller Munde sozusagen. Wenn auch noch nicht auf aller Smartphones, denn so richtig
groß scheint ja die Reichweite von Mastodon immer noch nicht zu sein, grade wenn man sie mit Twitter aktuell verfolgt. Trotzdem scheinen ja sehr viele Menschen auch umgestiegen zu sein oder schauen sich zumindest auf Mastodon mal um. Warum ist es aus deiner Sicht keine Alternative? Du hast es ja sehr, sehr klar an dieser Stelle ja auch formuliert.

[Christiane Germann] Ähm na ich finde Mastodon hat auch nur auf den aller, allerersten Blick überhaupt Ähnlichkeit mit Twitter. Das wird jetzt deswegen so ein bisschen als Umstiegskanal gesehen oder
Eben auch erwähnt, weil’s aufn allerersten Blick Twitter so ein bisschen ähnlich sieht. Das hat auch eine begrenzte Zeichenanzahl. Es sind zwar 500 Zeichen und nicht nur 280, aber es sieht aufn ersten Blick erst mal ähnlich aus, aber aufn zweiten Blick haben die beiden Netzwerke gar nicht so viel gemeinsam und ich würde jetzt zum Beispiel dann eher einer Kommune empfehlen
Krisenkommunikation dann eben auf Facebook zu machen. Erstmal, wenn’s Twitter nicht mehr geben sollte oder es nicht mehr nutzbar wäre.
Ja Twitter hat ja schon den großen Vorteil, dass es eben sehr intuitiv ist. Also es ist sehr einfach aufgebaut. Das ist bei Mastodon schon allein nicht der Fall. Das ist alles sehr kompliziert deswegen ist es meiner Meinung nach für eine große Nutzung der Massen gar nicht jetzt in der momentanen Form attraktiv. 
Und dann hat’s natürlich auch gar nicht die Reichweite, die Twitter hat, sondern es ist ja eher derzeit ein Nischennetzwerk und deswegen momentan kein Ersatz
Ich glaube, das kann auch es nicht. Das wird sich auch nicht dahin entwickeln. 

 

[Felix Schmitt] Eine der ersten Nutzerinnen und Nutzer auf Mastodon, das jetzt auch nicht erst äh in den letzten vier Wochen, sondern schon länger sind ja zum Beispiel Datenschutzbeauftragte, so manchmal also aus der Distanz hat es so manchmal gewirkt. Das ist so das Netzwerk der Datenschutzbeauftragten.
Wo einfach niemand mithören soll und dann es trotzdem irgendwie öffentlich ist und dann hat man sich halt bei Mastodon versteckt. Ist jetzt vielleicht so ein vielleicht nicht ganz zutreffende Beschreibung, aber so wirkte es zumindest manchmal auf mich. Trotzdem steckt dahinter ja eine gewisse Aussage, nämlich Mastodon ist ja nicht nur ein anderes Netzwerk, sondern es ist erstens open source
betrieben. Es ist nicht an einem großen vor allem nicht an einem großen US-Anbieter oder chinesischen Unternehmen gebunden
Das heißt, das Thema Datenschutz, über das man ja beim Thema Social Media auch immer wieder stolpert, sollte ja bei Mastodon keine so große Rolle spielen. Ist es schon ein Argument dem du folgen könntest, wenn du sagst, okay dann ist es vielleicht – vielleicht noch nicht heute, aber vielleicht in ein paar Wochen oder Monaten eine mögliche Alternative für Twitter.

[Christiane Germann] Genau, also die Datenschutzbeauftragten promoten ja Mastodon schon seit zwei, drei Jahren weil es eben DSGVO konform ist. Es wird ja in Deutschland gehostet oder beziehungsweise es kommt aus Deutschland und die anderen sozialen Netzwerke sind ja alle außerhalb Geltungsbereichs der DSGVO, das heißt sie stehen alle auf der Feindesliste der Datenschutzbeauftragten. Das ist der Grund, warum Datenschutzbeauftragte Mastodon
in den Himmel heben, nicht deshalb, weil es so gut geeignet wäre und für Behörden ist ja immer das Wichtige, wo erreiche ich meine Bürgerinnen und Bürger? Der Staat muss ja dort sein, wo die Menschen sind.
Und das ist für mich auch das Kriterium. Sollte es irgendwie so sein, dass Mastodon oder auch was auch immer, was da noch neu kommt, hocharbeitet und ja irgendwann sind wirklich die Massen da und man hat wahnsinnig viel Reichweite als Behörde. Dann klar, dann würde ich Behörden auch empfehlen, genau da hinzugehen
Aber das Wichtige ist ja, dass man wirklich die Menschen erreicht. Man macht das ja nicht zum Spaß oder zum Selbstzweck und bei Mastodon ist es eben im Moment so, dass da einfach eher eine Nische unterwegs ist, vor also vor Musk waren das eben vor allem die Datenschutzbeauftragten und IT-Interessierte. Jetzt ist es eben so, dass ein paar Twitter-Nutzerinnen das
ja so ein bisschen ausprobieren, dass halt so ein paar Prozent sich da jetzt mal umgucken, aber es ist ja trotzdem
zu wenig. Also ich glaube auch, die Wissenschaft guckt sich da so grad so ein bisschen um oder einzelne Wissenschaftsnischen
Es ist ja eher so ein geschützter Raum dort und darum geht’s ja auch, dass man Diskussionen einfach in einem geschützteren Raum führen kann, aber das ist ja das Gegenteil von dem, was Behörden brauchen. Ähm wenn wir jetzt zum Beispiel mal das als Beispiel nehmen, BBK, also das Bevölkerungsschutzbundesamt hier in Deutschland, die ja zurzeit eine ganz wichtige Aufgabe haben, die kommunizieren ja zum Beispiel was
sollte man tun, wenn jetzt als nächstes wieder ein Hochwasser kommt oder was sollte man tun, wenn längerer Stromausfall kommt? Welche Vorräte brauche ich zu Hause? Und die nutzen ja auch ganz stark Twitter und wenn die jetzt sagen würden, wir gehen jetzt von wir haben auch wahnsinnig viele Follower, weil sie auch schon wirklich lange dabei sind
Wenn Sie jetzt sagen würden, wir gehen von Twitter runter und gehen zu Mastodon dann, dann würde das bedeuten, dass diese wichtigen Infos, wie verhalte ich mich jetzt beim Stromausfall eben nun mal nur in einer kleinen Bubble diskutiert werden und nicht mehr ja wirklich an die Menschen kommen. 

 

[Felix Schmitt] Ist Reichweite, denn aus deiner Sicht, denn das Entscheidende und auch das allein entscheidende Kriterium, wenn man darüber entscheidet, welche Netzwerke man als Behörde selbst auch in die Nutzung bringt oder gibt’s da aus deiner Sicht noch andere relevante Kriterien, die man da auch noch berücksichtigen sollte.

[Christiane Germann] Reichweite ist schon wichtig. Also ich muss einfach wissen, wo erreiche ich meine Zielgruppe. Das kommt ja auch immer jetzt so ein bisschen drauf an, welche Zielgruppe man hat. Also wenn man jetzt zum Beispiel sagt man will vor allem wirklich ganz direkte Bürgerkommunikation machen, dann äh wäre zum Beispiel eher Facebook oder Instagram geeignet, wenn man jetzt sagt, mir ist es ganz wichtig, Azubis zu finden oder ganz junge Leute zu erreichen, dann würde man sagen, okay geht zu Instagram oder TikTok
Das kommt jetzt einfach immer so ein bisschen drauf an, mit welchem Zweck man da unterwegs sein soll, aber dann würde ich tatsächlich immer sagen, okay, wenn du deine Zielgruppe kennst und dein  Ziel, was du da machen willst,
dann geh auf das Netzwerk, wo du die meisten deiner Zielgruppe findest, sozusagen.
Das ist das, zumindest das Hauptkriterium. Natürlich kann man sich noch überlegen, okay, sollte ich jetzt ein Netzwerk nehmen, wo es nur Videos gibt, wenn ich noch gar nicht ähm in der Lage bin, Videos zu produzieren oder sollte ich dann eben ein Netzwerk nehmen, wo wo ich mit Text gut weiterkomme. Das sind natürlich alles so Nebenkriterien, aber
Aber klar, man muss sich das ja einfach immer so vorstellen, dass der Staat ja irgendwie Kontakt zu seinen äh Bürgerinnen aufnehmen muss.
Und natürlich suche ich mir dann vor allem ein Netzwerk aus, wo ich dann die Leute auch erreiche. 
 

[Felix Schmitt]  Ein Thema bei der Nutzung von Social Media, was mir auch immer wieder runterkommt, ist ja, dass viele, vor allem
vor allem diejenigen, die eher nicht in sozialen Netzwerken aktiv sind, haben ja oftmals sehr große Angst vor Shitstorms oder anders geartetem Feedback, das ist ein riesen Aufwand bedeutet und so weiter
jetzt gibt’s ja bei Twitter eine der Veränderungen, die jetzt stattgefunden hat, war ja zum Beispiel dass Elon Musk das Content Management, also diejenigen, die sich die Inhalte, die erstellt werden, anschauen, die auch neben den Algorithmen, die ja teilweise auch gemeldete Inhalte selber überprüfen, die Instanz sind, die zum Beispiel in Deutschland das Netzwerkdurchsetzungsgesetz durchsetzen sollen. Jetzt ist ja eine der Sachen, dass Elon Musk genau diese Leute praktisch komplett vor die Tür gesetzt hat. Für eine Behörde, ist dann Twitter eigentlich noch eine sichere Umgebung, um geschützt in dem Sinne, dass man zumindest juristisch geschützt eigene Inhalte verbreiten kann, ohne dass man Gefahr läuft entgegen dann zu kommen, also das werden ja zum Beispiel oft von Demonstrationen berichtet durch die Polizei zum Beispiel auch Demonstrationen von Leuten, die vielleicht nicht ganz so sehr mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung in Einklang stehen. Er berichtet, wo die Leute sich auf Twitter dann vielleicht auch wehren. Wenn man das jetzt nicht mehr bereinigen könnte, also man auf sich alleine gestellt ist, ist dann Twitter noch so ein sicheres gut zu nutzendes Netzwerk oder könnte das auch
ein Punkt sein aus deiner Sicht, wo man irgendwann sagen muss, okay das war’s. Twitter ist schön, aber wir können es nicht mehr sicher nutzen oder siehst du diese Gefahr nicht?

[Christiane Germann] Ich hatte ehrlich gesagt auch vor Musk schon nicht das Gefühl, dass das so wahnsinnig gut funktioniert damit, dass alle Nachrichten verborgen oder irgendwie gar nicht erst erscheinen. Also das ist ja auf Twitter schon ein harter Ton schon immer gewesen. Natürlich ist das fatal jetzt ausgerechnet diese Leute rauszuschmeißen. Ich kann mir eigentlich erstmal nicht vorstellen, dass es dabei bleibt, weil ich würde an seiner Stelle einsehen, dass man natürlich Leute für die Content-Moderation braucht und wie sich das dann wirklich auf der Plattform entwickelt, das muss man halt sehen tatsächlich. Das wird sich jetzt eben in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. 

 

[Felix Schmitt] Jetzt hatte Twitter in Deutschland wie gesagt Anfang des Jahres rund 8 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Das letzte Mal, als ich nachgeguckt hatte, gab’s, glaube ich, eine Million Nutzerinnen und Nutzer bei Mastodon, was hier schon auch erstaunlich ist, finde ich. Aber dieselbe Frage vielleicht dort auch mal gestellt, weil Mastodon hat ja sozusagen als Design angelegt, keine Beschäftigten
Also niemand, der sich hauptberuflich damit auseinandersetzt und vor allem nicht Leute, die sich mit Content-Moderationen hauptberuflich auseinandersetzen, also die Zeit dafür haben
noch eine Ausbildung in irgendeiner Form genossen haben und sollte Mastodon entsprechend ja auch viele Nutzerinnen und Nutzer haben, die sich dann über verschiedene, viele dezentrale Server verteilen.
Man vielleicht in Deutschland wirklich dann irgendwann seine zwei, 3 Millionen regelmäßig wiederkehrende Nutzerinnen und Nutzer, aber wer kümmert sich denn dann um genau
diese Fragen, nämlich die Einhaltung erstens von zu löschenden oder von auszublendenden Inhalten. Auf der anderen Seite aber auch, wenn man vielleicht übermotivierte
Ehrenamtliche Content-Moderatoren hat, die dann vielleicht alles löschen, was ihnen vielleicht selber nicht passt. Wer würde sich denn da drum kümmern? Also, ist es irgendwie, glaubst du so etwas ließe sich ehrenamtlich in so einer Struktur darstellen?

[Christiane Germann] Nee, kann ich mir nicht vorstellen. Also das ist in der Tat eins der vielen Kinderkrankheiten, die Mastodon jetzt natürlich auch hat und das ist eben gar nicht auf den Twitterzweck im Grunde ausgelegt ist
Natürlich ist die Behörde selbst auch immer mit für die Content-Moderation verantwortlich. Also ich sage ja auch immer jeder Behörde ihr müsst euch unbedingt ums Community Management kümmern, das Community Management ist das Allerwichtigste eigentlich an eurer Social Media Arbeit
Auch das Schönste meiner Meinung nach. Also ich habe das immer total gern gemacht. Aber eben auch das Wichtigste.
Und so muss das eben zusammenspielen, also natürlich muss die Plattform da gute Bedingungen bieten. 
Also muss ein Team irgendwo im Hintergrund haben, die ein Auge drauf haben und auch auf Aufforderung natürlich Dinge löschen können aber genauso ist das eben auch Job jedes jeder Einzelnen, der dort aktiv ist
dann seinen eigenen Content auch und die Fragen dazu zu moderieren und auch mit zu diskutieren. 

[Felix Schmitt] Das waren ja jetzt so ein bisschen die, na, wie soll ich sagen, die die schwierigen Seiten an Social Media und grade, ich glaube, bei Mastodon lässt sich’s ja einfach noch gar nicht beantworten.
Wahrscheinlich vielleicht kommt’s auch gar nicht in die Verlegenheit irgendwie groß moderieren zu müssen. Sehen wir mal. Aber lass uns vielleicht nochmal ganz kurz über die
Bedeutung von Social Media für öffentliche Stellen ganz generell sprechen. 
Wir haben ja schon verschiedene Netzwerke ja jetzt auch schon angesprochen und haben jetzt bisher im Gespräch uns ja vor allem und ich sage mal so um die letzten vier Wochen gekümmert. 
Aber wenn man sich zum Beispiel auch mal die Zeit seit 2020 anschaut, hat sich ja auch unglaublich viel in der Bedeutung der unterschiedlichen Kanäle getan. Da sind neue soziale Netzwerke dazugekommen. Andere haben sich in ihrer Bedeutung ja auch gewandelt von der Zielgruppe her, die dort unterwegs ist, die das auch nutzt. Was hast du denn, ich sage mal so seit 2020 beobachtet, wie sich Social Media aus der Brille von Behörden geändert hat, also was ist dir da aufgefallen und welche Bedeutung haben die sozialen Medien heute für Behörden und Kommunen ganz generell. 

 
[Christiane Germann] Also die haben noch die gleiche oder haben eigentlich seit zehn Jahren eine sehr hohe Bedeutung für Behörden. Aber in der Tat hat sich da jetzt in den letzten zwei, drei Jahren viel getan, wie du grad gesagt hast. Das ist einfach vielfältiger geworden. Es gibt jetzt eben nicht mehr nur drei Netzwerke, wo man sagen muss, okay, die gucken wir uns näher an, müssen wir da hin, sondern eben mehrere, also TikTok ist dazugekommen, wo jetzt Behörden so langsam aktiv werden. Linkedin hat eine ganz große Bedeutung bekommen für Behörden. Also das hat sich alles ein bisschen zersplittert, weil man auch ja sagen muss, okay, die Zielgruppe erreiche ich halt jetzt da, die Zielgruppe Gruppe erreicht man halt jetzt da. Da ist immer was los, aber das ist ja auch das Wesen von Social Media, dass sich das wirklich immer weiterentwickelt, dass man da ein bisschen am Ball bleiben muss. Was jetzt in den letzten zwei, 3 Jahren eben wichtig geworden ist, ist eben auf jeden Fall Short Vertical Video, also einfach die Hochkantvideos, die sich ja jetzt durch fast alle Plattformen ziehen und da ist es so, dass einige Behörden das jetzt auch super machen und mitgegangen sind und ja aber noch nicht alle. Jetzt so jetzt merken die meisten so langsam, ah okay, da geht jetzt wirklich kein Weg mehr dran vorbei, aber viele haben sich dann halt doch lange Zeit noch an den gewohnten Textlinkposts festgehalten und haben ein bisschen zu spät angefangen, ah okay, jetzt müssen wir uns doch mal überlegen, wie machen wir das jetzt mit den Videos und wir brauchen ja jemand, der das kann und wir müssen die Leute schulen. Ich sage immer, dass es total sinnvoll ist, zu versuchen, möglichst viel selber zu machen, um von Dienstleistern unabhängig zu sein und es gibt jetzt ja wirklich auch schon viele tolle Beispiele von Behörden, die wirklich den Trend total mitmachen und sehr erfolgreich sind und die anderen ziehen dann jetzt halt nach.

Was auch ein ganz wichtiger Trend ist seit ein paar Jahren ist eben, dass MitarbeiterInnen selber vor der Kamera stehen. Das war ja in Behörden ganz lange wirklich der Behördenleitung oder den Pressesprechern vorbehalten. Andere hat man gar nicht gesehen und ja, je mehr dann eben auch in Unternehmen, die Corporate Influencer Mode geworden sind. Es ist ja in Behörden auch so, dass jetzt – ja, es ist einfach schön, wenn man gut ankommt, wenn man die normalen Mitarbeitenden sieht, jung, alt, die verschiedene Sachen machen.
Das ist eben auch was, was viele Behörden jetzt auch umsetzen. Also wenn man jetzt so ein bisschen Vorreiter bei TikToks im Moment die Polizei Berlin, die haben tatsächlich zwei, ja Vollzeit interne Influencer im Grunde, die dort halt Recruiting machen auf dem TikTok Kanal oder auch ja viele Städte, Stadt Oldenburg zum Beispiel, da sind auch Leute ausm Social-Media-Team, die vor der Kamera stehen oder wenn man an die Stadt Köln denkt mit ihrer Sabine ausm Bürgeramt, die ja quasi schon berühmt ist also das ist auch ein ganz, ganz wichtiger Trend und das versuche ich Behörden eben auch immer mitzugeben, dass sie einfach echte Menschen aus der eigenen Belegschaft zeigen sollen, die einfach was zeigen, was erklären und das kommt eben gut an und was auch ein wichtiger und schöner Trend ist , ist eben dieses Unperfekte. Also es muss eben nicht immer alles total durchgestylt sein, so wie das auf Instagram bei den Fotos eben einfach so mal Tradition war, sondern ja es sind wirklich auch Reels und Kurzvideos eben erfolgreich, die eben nicht perfekt ausgeleuchtet sind. Also sind meistens sogar erfolgreicher, das ist ein Trend der Behörden eigentlich so ganz gut zugutekommt, weil da ist ja auch nicht immer alles total durchgestylt und können Behörden unheimlich viel tolle Sachen eben auch machen. Ja und ich glaube TikTok für Behörden kommt jetzt dann nächstes Jahr als Trend. Das das haben Behörden jetzt waren jetzt nicht die Vorreiter, sind momentan noch wenige, aber ich glaube, da kann man sich jetzt auch dann nicht mehr verschließen.

[Felix Schmitt] Du hast jetzt verschiedene Beispiele ja auch gebracht, gerade auch ausm also wie der Polizei die Stadt Köln
beispielsweise oder auch Oldenburg. Hast du denn mal so ein paar richtig schöne Beispiele auch kennenzulernen aus Kommunen parat, die vielleicht nicht genau so groß sind, sondern eher aus kleineren Kommunen, wo du sagst, na das da kriegt man auch mit kleinem Budget, mit kleinem Personaleinsatz, auch richtig gute Reichweite und vor allem auch richtig guten Content. Was kennst du denn da für Beispiele, an denen man sich vielleicht auch als kleine Kommune hier mal ein bisschen orientieren kann.

[Christiane Germann] Eins meiner absoluten Lieblingsbeispiele ist, es ist zwar keine Kommune, aber es ist eine Schule und zwar heißt der Instagram-Account Lehramt.Mittelschule. Das ist eine Schule in Bayern und der Instagram-Account wird von zwei Lehrerinnen befüllt, also ist ein offizieller Account der Schulbehörde, wird aber von zwei Lehrerinnen eben betreut und den finde ich halt ein hervorragendes Beispiel. Die machen denke ich alles selber
und die stellen da auch andere Lehrpersonen noch vor und das ist eben eine ganz tolle Mischung zwischen es ist mal so ein bisschen Humor und locker, aber eben auch ganz viel Wissensvermittlung. Es geht bei dem Kanal darum, neue Lehrkräfte natürlich für die Mittelschule zu finden, ja Leute zu begeistern, dieses Studium zu machen.
Und ähm genau, da ist also an Wissensvermittlung läuft da dann halt, okay, wie läuft das Referendariat ab? Was ist eigentlich der Vorteil einer Beamtenanstellung sozusagen und und dann ist aber auch einfach so ein bisschen Humor drin, dann dreht eine Lehrerin halt ein Reel, ja was packen Lehrer eigentlich morgens so in ihre Tasche oder welche Spicktricks kennen wir eigentlich schon oder ja, dass man seinen Hund mitnehmen kann in die Schule oder nicht. Also einfach so nette Unterhaltungssachen aber eben immer verbunden auch mit Einblicken in den Job und dass es eben, ja, dieses Beispiel vereint eigentlich alle Trends, die ich eben genannt habe und das kann man sich eben wirklich mal super als best practice angucken.

[Felix Schmitt] Du hast jetzt ein schönes Beispiel ja auch gerade erzählt. Was sind denn so die die klassischen Ziele, die
Behörden über Social Media versuchen zu erreichen? Und gibt’s da auch Ziele, von denen du sagst, die sind zwar aller Ehren wert, aber das schafft man vielleicht gar nicht so richtig über Social Media und es wird trotzdem immer wieder versucht?
 
[Christiane Germann] Es gibt wirklich super verschiedene Ziele. Also Recruiting ist ein ganz großes Thema, weil eben tatsächlich die Bewerberzahlen bei Behörden wie bei allen anderen auch zurückgehen.
Es ist aber natürlich auch Krisenkommunikation oder eben auch ganz klassisch, die Leute einfach informiert zu halten und was einfach kein ganz einfaches Ziel ist, auch wenn sich’s einfach erst mal anhört, ist ja dieses Jahr, wir wollen junge Leute erreichen, weil manchmal sagen Behörden, ah okay, wir merken eigentlich, wir brauchen noch eine Möglichkeit, junge Leute zu erreichen, also gehen wir auf Instagram.
Machen Sie aber keine Inhalte für junge Leute, sondern machen eben typische Verwaltungskommunikation, weil Sie dann eben denken, ach okay, die Vierzig-jährigen, die da bei Instagram sind die nehmen wir natürlich auch noch und dann machen sie die Kommunikation nicht jung genug und merken dann ganz schnell in der Statistik jetzt folgen uns ja doch nur Leute ab dreißig. Das ist was, was leicht passiert.
Deswegen muss man, wenn man jüngere Leute erreichen will, wirklich auch junge Inhalte machen. Da gehört’s dann auch tatsächlich dazu, dass auch jemand Junges ab und zu mal zu sehen ist auf dem Kanal und dass das eben für Jüngere ansprechend ist, weil Jüngere sind eine sehr anspruchsvolle Zielgruppe. Die werden von überall gewollt und umworben und da ist die Konkurrenz halt ähm
groß, deswegen muss man sich da besonders viele Gedanken machen, aber genau, das ist das ist vielleicht so ein bisschen eine der großen Herausforderungen.

[Felix Schmitt] Dann lass uns doch vielleicht zum Abschluss noch mal einen kleinen Ausblick versuchen. Wir haben über Twitter gesprochen. Der Ausblick ist, na ja sagen wir mal trüb, vor allem na ja neblig, man weiß nicht so genau wo’s jetzt hingeht, ein Mastodon kann vielleicht eine Alternative sein. Ich habe dich so ein bisschen verstanden, du gehst eher nicht davon aus, dass Mastodon auf Dauer eine reale Alternative, zumindest keine Alternative zu Twitter darstellt, kann ja trotzdem irgendeine Rolle bekommen, vielleicht dann auch eine andere Rolle.
Aber mal ganz generell betrachtet das Thema Social Media. So manchmal habe ich ja das Gefühl, ne, das ist jetzt aber auch langsamer durch. Also die großen Netzwerke, das sieht man ja auch jetzt auch gerade wieder verstärkt, sind dabei sehr stark Personal abzubauen, also Kosten zu sparen, was ja auch dazu beiträgt, dass die Innovationskraft, die ja wahrscheinlich nicht besonders gestärkt daraus hervorgeht.
Es betrifft zum Beispiel Facebook, von dem ja auch viele sagen, ne, es ist jetzt halt so das letzte Boomer-Netzwerk, wo man für unter 60-jährige ja eigentlich nichts mehr produzieren muss. Wo siehst du die Nutzung von Social Media, ist das immer noch so ein Bereich, in dem man als Kommune definitiv Zeit investieren muss, vielleicht auch noch stärker als man es bisher tut oder gibt’s so was wie Peak Social Media und wir nähern uns so langsam wieder einer anderen Form der Kommunikation, die wir vielleicht noch gar nicht kennen?

[Christiane Germann] Na wir wissen natürlich alle nicht, was kommt, aber Peak, Social Media sehe ich auf gar keinen Fall erreicht oder überschritten. Also Social Media bedeutet ja im Grunde eine schnelle dialogorientierte, digitale Kommunikation, sozusagen das Mitmach-Web und das wird natürlich auf jeden Fall bleiben und ob die relevanten Netzwerke dann jetzt in zehn Jahren eben äh Facebook oder Instagram oder Mastodon oder wie auch immer heißen, das wird man sehen, aber zurück zur alten Kommunikation mit Broschüren und so sehe ich natürlich eher nicht. Also im Grunde würde ich sagen, Social Media ist definitiv gekommen, um zu bleiben, also
die ja die Kommunikationsform an sich wird uns weiter begleiten. Aber es wird sich halt, ja in der in der Art und Mach immer mal verändern und ja also genau deswegen sollte man das schon für die Zukunft
weiter aufm Schirm haben als Behörde, definitiv. Ich würde den Behörden auch immer empfehlen, also es ist ja so, dass Behörden tendenziell immer noch zu wenig Personal dafür vorhalten oder zu wenig Stunden und Stellen investieren. Im Moment ist die Aufteilung ungefähr noch so im Durchschnitt, dass Behörden ungefähr doppelt so viele Stellen und Stunden für den klassischen Pressesprecherjob zur Verfügung stellen, wie für die Social Media Kommunikation. Das müsste eigentlich längst fifty-fifty sein. Ich würde also empfehlen, dass die Behörden, die das noch nicht fifty-fifty haben, da auf jeden Fall nachziehen, denn es ist ja ein bisschen anspruchsvoller geworden mit Videos, das nimmt alles ein bisschen mehr Zeit in Anspruch. Ich würde Behörden empfehlen wirklich verstärkt auch drauf zu achten, dass sie Leute haben oder auch aussuchen für den Job, die auch selber vor die Kamera gehen, die daran Spaß haben, die darauf Lust haben.
Und würde Behörden definitiv auch empfehlen, dass sie sich ja, dass sie sich wirklich alle Skills auch aneignen, wie jetzt eben zum Beispiel Videos drehen. Das ist ja im Grunde nicht  schwierig mitm Smartphone, einer Schulung und dem ganzen kostenlosen Schnitt-Apps kriegt das ja jede Behörde die will innerhalb von einer Woche hin die Leute da ein bisschen zu schulen. Das würde ich einfach empfehlen, dass man sich die Skills aneignet. Damit man eben nicht auf teure Dienstleister angewiesen ist und grade Video wird ja als Kommunikationsform generell auch bleiben, das wird auch in der internen Kommunikation wichtiger, also das heißt, das lohnt sich wirklich absolut an den Dingen dranzubleiben und Social Media wird an sich nicht weggehen. 

 
[Felix Schmitt] Alles klar, vielen Dank. Dann habe ich jetzt nur noch eine abschließende Frage, weil das war jetzt so konkret und so klar
deswegen vielleicht nur mit einem Wort nachgefragt zu den Kapazitäten, die notwendig wären im Metaverse.
 
[Christiane Germann] Ja, das wird man auch sehen, wie sich das weiter entwickelt. Ist natürlich auch total spannend. Ich denke schon, dass sich da einiges entwickelt. Ja, das wird dann vielleicht noch der nächste Schritt. 
 
[Felix Schmitt] Alles klar, sehen wir dann. Hat ja vielleicht noch ein paar Tage Zeit. 
 
[Christiane Germann] Genau. 
 
[Felix Schmitt] Alles klar, vielen Dank, Christiane. War ein sehr spannendes Gespräch. Ähm ich bin gespannt, ob wir nochmal irgendwann eins zu Twitter führen können oder ob das in Kürze so irrelevant ist, dass es nicht mal mehr in einem Podcast in einem Nischen-Podcast-Platz findet, aber – 
 
[Christiane Germann] Oh, ich hoffe nicht, ich würde es vermissen.
 
[Felix Schmitt] Ja. Geht mir auch so. Hoffen wir mal, dass es nicht der Fall ist. Ähm vielen Dank, dass du heute dabei gewesen bist.
 
[Christiane Germann] Danke dir, war super. 
 
[Felix Schmitt] So, das war’s für heute. Vielen Dank, dass du dabei warst und bis zum nächsten Mal.