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Podcast Folge 16: Die digitale Provinz

Provinz und Digitalisierung, passt das überhaupt so richtig zusammen. In viel mehr Fällen als man vielleicht auf den ersten Blick vermutet passt das hervorragend. In kleinen Verwaltungseinheiten kann viel einfacher ausprobiert oder spezialisiert werden, nach kleinen Fehlschlägen auch schneller daraus gelernt und umgeschaltet werden. Davon profitieren vor allem die Menschen die in der progressiven Provinz, in der digitalen Provinz leben und arbeiten. Genau mit solchen Perlen beschäftigt sich der Podcast Digitale Provinz aus Sachsen-Anhalt.

Am 26. Mai durfte ich mit Anne Wihan, der Moderatorin des Digitale Provinz-Magazins über die Chancen des eGovernments im ländlichen Raum sprechen. Unser Gespräch drehte sich zum Beispiel darum, wie anders Homeoffice oder der Datenschutz in Kommunalverwaltungen nach den Erfahrungen mit der Corona-Pandemie heute wahrgenommen wird, wie weit wir heute mit dem Onlinezugangsgesetz schon sind, wie die Portale oder die Authentifizierung von Bürger*innen funktionieren, warum der elektronische Personalausweis heute noch nicht so richtig rund läuft, welche Herausforderung Kommunen bewältigen müssen, um digitale Dienste anzubieten, warum Estland wirklich ein gutes Vorbild ist und welche Grenzen es für digitale Dienste überhaupt gibt. Ja, es war wirklich ein sehr umfassendes und spannendes Gespräch. Darum veröffentliche ich diese 40 Minuten auch nochmal auf meinem Podcast.

Alle zwei Wochen gibt es eine neue Folge des Podcasts zur Kommunalen Digitalisierung. Die bisherigen Ausgaben und Möglichkeiten den Podcast kostenlos zu abonnieren, gibt es hier. 

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Alle Links aus der Folge gibt es hier:

 
 

Transkript

[Felix Schmitt] Kommunale Digitalisierung der Podcast mit Felix Schmitt.
Herzlich willkommen zu Folge 16 meines Podcasts zur kommunalen Digitalisierung.
Mein Name ist Felix Schmitt, ich bin dein Moderator und Begleiter auf dem Weg in die kommunale Digitalisierung.
Provinz und Digitalisierung passt das überhaupt so richtig zusammen?
In viel mehr Fällen, als man vielleicht auf den ersten Blick vermutet, auf jeden Fall.
In kleinen Verwaltungseinheiten kann viel einfacher ausprobiert werden, sich spezialisiert werden, nach kleinen Fehlschlägen auch viel schneller daraus gelernt und umgeschaltet werden.
Davon profitieren dann vor allem die Menschen, die in der progressiven Provinz in der digitalen Provinz leben und arbeiten.
Genau mit diesen Perlen beschäftigt sich der Podcast digitale Provinz aus Sachsen-Anhalt.
Am 26. Mai durfte ich mit Anne Wihan, der Moderatorin des digitale Provinzmagazins über die Chancen des E-Governments im ländlichen Raum sprechen.
Unser Gespräch drehte sich zum Beispiel darum, wie anders Homeoffice oder auch der Datenschutz in Kommunalverwaltung nach den Erfahrungen mit der Coronapandemie wahrgenommen wird.
Wie weit wir heute aber auch zum Beispiel mit dem Onlinezugangsgesetz schon sind,
Wie die Portale oder die Authentifizierung von BürgerInnen funktioniert, warum der Personalausweis, der elektronische Personalausweis heute noch nicht so richtig rund läuft,
und welche Herausforderung Kommunen bewältigen müssen, um digitale Dienste anzubieten. Dazu hatten wir auch zum Beispiel kurz über Estland gesprochen, das ein wirklich gutes Vorbild ist, aber auch zeigt, welche Grenzen es für die digitalen Dienste auch in Deutschland geben wird.
Ja, es war auch ein wirklich sehr umfassendes und spannendes Gespräch. Darum veröffentliche ich diese 40 Minuten auch nochmal auf meinem Podcast.
Übrigens, wenn ihr mehr zum Podcast digitale Provinz erfahren möchtet, den Link dazu findet ihr in den Shownotes.
So und jetzt geht’s aber los.

[Anne Wihan] Ja, hallo Felix, schön dass wir hier zusammengekommen sind über also mal wieder remote
wie wahrscheinlich immer für dich auch? 
 
[Felix Schmitt] Ja, absolut. Also ich bin jetzt seit ich glaube seit Herbst 2020 komplett im Homeoffice davor im letzten Jahr Corona im Sommer, mal kurz im Büro gewesen, aber im Prinzip ich habe mich hier schon richtig eingerichtet und es fällt mir auch schwer zu denken, oh Gott, ich muss da irgendwann wieder zurück ins Büro.
[Anne Wihan] Das kann ich ein bisschen verstehen, es fühlt sich irgendwie ein bisschen komisch an, ne? 
 
[Felix Schmitt] Ja, absolut. 
 
[Anne Wihan] Ja unser unser Büro ist momentan eigentlich auch eher so gesperrt, das heißt, man meldet sich immer an, dass man ins Studio kommt. Deswegen bin ich jetzt hier auch ganz alleine und habe ganz viel Platz für mich alleine und genau lieber Felix wir wollen heute über E-Government sprechen. Was für eine Überraschung. 
 
[Felix Schmitt] Genau.
[Anne Wihan] Sehr schön. Ich kann ja vielleicht mal für alle, die mich nicht kennen, das ist überhaupt nicht schlimm und das geht vielleicht vielen so. Kann ich mich ja kurz mal vorstellen, wer ich überhaupt bin. Mein Name ist Anne Wihan und ich bin Mitgründerin des Projekts digitale Provinz. Wir haben uns im Herbst 2019 gegründet. Aus der Idee heraus, dass wir Digitalisierung ein total spannendes Thema finden aber festgestellt haben, dass sich das häufig nur auf Metropolen beschränkt, also auf Berlin und Hamburg und München und alles, was so dazu gehört und dass viele Regionen abseits davon bisschen runterfallen, was Digitalisierung und neue digitale Ideen angeht und wir haben uns zum Ziel gemacht mit unserem Podcast ja diese Region sichtbar zu machen, Projekte sichtbar zu machen und unterhalten uns mit ganz vielen spannenden Menschen, unter anderem jetzt auch mit Felix, was mich sehr freut, über die unterschiedlichsten digitalen Themen. Ja von New Work über äh neue Mobilität hinzu eben auch E-Government und wir veröffentlichen alle zwei Wochen einen Podcast abwechselnd ein Podcast-Magazin da geht’s dann immer um digitale Themen, um Statements von Expertinnen und Ja, ganz viele Daten und Fakten und außerdem arbeiten wir mit drei Menschen zusammen, das sind die digitale Provinz Voices, das sind Tobias Kremkauf, Frederik Fischer und Katja Diehl, die dann alle vier Wochen quasi sich auch einem bestimmten Thema aus ihrer Bubble widmen, also zum Beispiel New Work, neues Leben und Arbeiten auf Land, neue Mobilität und genau, so viel zu uns. [Felix Schmitt] Ja, herz- ähm ich freue mich wirklich, dass das auch funktioniert und dass wir heute über dieses wirklich spannende Thema auch sprechen können, gerade auch weil wir ja in einer Zeit sind, in der unglaublich viel Dynamik in E-Government drinsteckt. Nicht nur über die gesetzlichen Voraussetzungen, nicht nur daher kommt es, sondern weil man ja auch inzwischen merkt, die Bürger verlangen ja auch danach. Und das ist glaube ich auch ein Stück weit auch eine ganz neue Herausforderung vor den Kommunen jetzt auch stehen. Egal, ob sie im ländlichen Raum sind oder in den Großstädten.
[Anne Wihan] Absolut, also das nehme ich auch wahr und du bist ja Berater für Kommunen, die sich selbst digitalisieren wollen und seit wann nimmst du das denn eigentlich so wahr, dass die Kommunen auf dich zukommen oder dass die Menschen immer mehr sozusagen danach schreien, sage ich mal, wir wollen uns digitalisieren. [Felix Schmitt] Also es gab natürlich einen ganz offensichtlichen Treiber und das ist natürlich die Coronapandemie gewesen und ist sie auch immer noch. Natürlich gab’s auch vorher schon Projekte und Anfragen und Wünsche. Aber sie haben sich sowohl in der Qualität aber auch in der Quantität ganz massiv gewandelt in dieser Zeit und das lässt sich alles darüber  oder darauf auch reduzieren dass auch in den Verwaltungen sich durch Corona natürlich ganz viel auch verändert hat. [Anne Wihan] Und und wo liegt dann auch der Fokus? Also mit welchen Ideen kommen Kommunen auf dich zu?
[Felix Schmitt] Also vielleicht mal so ein so ein Vergleich der macht’s vielleicht doch klar. Vor Corona waren die meisten Anfragen auch die meisten Projekte, die wir gemacht haben, ging es eher so dadrum, was ist denn Digitalisierung? Was bedeutet das für uns und was für ein Aufwand ist das? Und warum sollten wir das machen? Sehr allgemeine, sehr manchmal auch sehr niederschwellige, aber vor allem waren es Fragestellungen, die damit zu tun hatten, das ist für uns etwas komplett Neues und wir verstehen noch nicht so ganz, warum wir wirklich die Digitalisierung bei uns vor Ort auch umsetzen müssen. Und das hat sich radikal gewandelt. Man hat am Anfang von Corona gemerkt, okay, auch Verwaltung müssen jetzt erstmal dicht machen. Sie sind gezwungen, Menschen, die bisher 30, 40 Jahre lang in einem Verwaltungsgebäude gearbeitet haben. Auch die müssen jetzt lernen, wie zum Beispiel Homeoffice funktioniert und Verwaltungen müssen lernen solche Homeoffice-Regelungen auch umzusetzen. Nicht nur technisch sondern natürlich auch in den internen Prozessen abzubilden und diese Herausforderungen, die waren unglaublich groß. Grade für kleinere Verwaltungen, die damit noch vielleicht auch gar keine Erfahrung bisher gemacht hatten. Die haben in unglaublich kurzer Zeit unglaublich viel gelernt und das wirkt sich dann natürlich auch auf andere Bereiche aus, wenn sie dann mal gesehen haben, okay Homeoffice es kann funktionieren. Es hat zwar immer noch natürlich Probleme, dass Akten in nur in Papierform vorliegen und dann trotzdem man immer nochmal in die Verwaltung muss, um sich etwas zu holen, es wieder zurück bringen und wenn dann eine Akte beim einen Kollegen, bei der anderen, bei der einen Kollegin ist kann ein anderer eben nicht darauf zugreifen. Das sind natürlich Probleme, die noch da sind, aber natürlich haben sie gemerkt, was alles trotzdem möglich ist, dass Videokonferenzen, ein Tool – ich persönlich habe das vor Corona auch nur sehr, sehr begrenzt genutzt, aber wo auch Kommunen ganz schnell gemerkt haben, was da für ein Potential drinsteckt, um Prozesse auch zu verkürzen und das ist so ein Stück weit auch der Ursprung dessen gewesen, warum das heute auch viel, viel intensiver in den Verwaltungen auch gedacht und auch umgesetzt wird. [Anne Wihan] Ich finde das ganz spannend, weil du jetzt halt auch eben also angesprochen hast, dass das ja auch von den Menschen abhängt, ne? Und wenn du dann eben Menschen hast in der Verwaltung, die vielleicht nicht die klassischen Digital Natives sind, dann sprechen wir da ja auch auf eine Art und Weise so von digitaler Teilhabe und dass man die Menschen da auch erst mal heranführen muss. Wie gehst du da dann eigentlich vor? [Felix Schmitt] In der Regel schauen wir uns immer erst einmal an, wie sieht’s denn bei euch wirklich vor Ort aus? Also was habt ihr schon und vor allem dieses was habt ihr schon, wie verteilt sich das? Und da sind die Mitarbeiter*innen in der Verwaltung der maßgebliche Bestandteil. Sie sind auch einer der drei Treiber, die dazu führen, dass Digitalisierung in einer Kommune, in einer Verwaltung auch umgesetzt wird und dann schauen wir natürlich in erster Linie einmal nicht nur auf die Technik, die ist ganz schnell, da macht man einen Fragebogen und dann hat man im Prinzip erhoben was da ist und was man vielleicht noch braucht, aber viel wichtiger ist, welche Kenntnisse gibt es. Welche Motivation gibt es sitzender Leute in der Verwaltung, die privat sich mit der Digitalisierung schon seit Jahren beschäftigen? Gibt es viele, die ja da muss man nicht unbedingt ein großer Nerd für sein, um Ahnung zu haben wie Prozesse digital abgebildet werden können und zwar wie sie auch besser digital funktionieren und nicht einfach nur eins zu eins umgesetzt werden und da schauen wir uns an, welche Qualifikationen sind vorhanden, wo sind vielleicht noch Lücken? Wo kann man vielleicht nochmal nach nachsteuern durch eine Weiterbildung oder einfach nur durch eine aktive Ansprache von einzelnen Mitarbeitern, um Sie zu bitten, sich doch in diesem Prozess der Digitalisierung auch mit zu beteiligen. Das sind so die allerersten Schritte, wo wir schauen auf welcher Basis wollen wir denn weitermachen? Können wir denn weitermachen? Und dann versuchen wir zu identifizieren Denn attraktive Ziele, die das Leben der Menschen in der Kommune durch Digitalisierung auch wirklich attraktiver macht. Das ist immer der Fokus, auf den wir das Handeln immer ausrichten. Also es geht nicht unbedingt dadrum zu sagen, okay die Verwaltung hat was davon. Die Verwaltung, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder BürgermeisterInnen geht’s danach irgendwie besser, sondern wir schauen dann immer, was passiert aus solchen Prozessen für das direkte Empfinden der Bürgerinnen in einer Kommune. Und nur wenn wir da eine Verbesserung entdecken, wenn wir da sehen, okay das wirkt sich auch unmittelbar auf das Leben der Menschen aus, dann sagen wir, das ist ein gutes Ziel. Da gehen wir mal ran und das kann in der Verwaltung – können entsprechend dann Projekte auch angegangen werden, aber viele finden natürlich auch außerhalb statt, um den Menschen auch wirklich direkt eine Erleichterung ähm in ihrem Leben auch zu bieten.
[Anne Wihan] Absolut, also das das ist ja tatsächlich so, dass dass da einfach zwei Seiten sozusagen zueinander kommen müssen, ne und das es ja nicht nur darum geht, dass es für die Mitarbeiterinnen da in der Verwaltung etwas sich verändert zum Positiven, sondern dass eben vor allem Verwaltung und BürgerInnen irgendwie zueinanderfinden. Ne. Also das nehme ich auch so wahr und ich nehme vor allen Dingen auch wahr, das wäre jetzt finde ich vielleicht noch ganz spannend zu erfahren, wir haben auch in unserem Projekt schon schon mit Menschen zu tun gehabt, beziehungsweise auch mit Expertinnen zu tun gehabt, die gesagt haben, man muss ja auch manchmal die Leute erstmal abholen, die vielleicht da noch so ein bisschen skeptisch sind, ne? Auch Thema Datenschutz, was E-Government angeht und so weiter. Jetzt werden irgendwie alle Daten sichtbar gemacht und und  dann mache ich mich jetzt hier irgendwie so ins ins Blaue nackig sage ich jetzt mal mit meinen Daten. Wie nimmst du das wahr, was so diese Skepsis angeht für wir digitalisieren teils auch sehr sensible Daten? 
 
[Felix Schmitt] Mhm. Also auch hier kann ich noch mal sagen, auch Corona war hier ein Gamechanger. Vor Beginn der Coronapandemie war Datenschutz ein Schutzargument, eine Schutzbehauptung manchmal auch, so ist es zumindest bei mir angekommen. Um auch eine Begründung dafür zu haben, warum man vielleicht jetzt noch nicht direkt mit der Digitalisierung startet und das vielleicht noch sagt, okay, wir gucken erstmal, wie die das hier alle drumherum machen und eigentlich brauchen wir auch gesetzliche Vorgaben, die klipp und klar regeln, was wir machen können und was wir machen müssen. Auch das hat sich ein Stück weit geändert. Also wenn man auch vor Corona auch hier wieder das Beispiel Videokonferenzen vor Corona gesagt hat okay, ich lasse uns eine Videokonferenz machen. Falls es überhaupt dazu kam, war sofort die Frage ja, dürfen wir das? 
Und die Frage hat sich ja nicht erledigt. Also die Landesdatenschutzbeauftragten auch wenn sie sich nicht gänzlich einig sind, welche Tools man denn überhaupt benutzen darf schränken ja auch hier die Nutzung erheblich ein, aber eine Änderung, die ich wahrgenommen habe: Die Kommunen suchen jetzt aktiv nach Möglichkeiten. Mit diesen Einschränkungen, die ihnen aufgegeben sind, diese Projekte trotzdem zu ermöglichen Vor Corona war’s dann eher so, okay, da hat irgendjemand gesagt, geht nicht, also machen wir nicht. Und jetzt heißt es, es geht nicht, ja dann gucken wir, wie wir’s anders machen.
[Anne Wihan]Absolut, ne? Das das war ja vorher so ein so ein nice to have, sage ich mal, vor Corona. So das ist schön, dass wir das irgendwie bewerkstelligen können oder das ist schön, dass wir das anbieten können, aber jetzt brauchen wir’s halt, weil wir ansonsten nicht arbeiten können. Das finde ich total spannend.
 
[Felix Schmitt] Absolut, genau und da ist, glaube ich, jetzt auch der einer der größten Treiber des Ganzen, weil natürlich jetzt der Druck, zum Beispiel, wie wir’s vorhin auch kurz angesprochen hatten, von den Mitarbeitern in in der Verwaltung natürlich auch kommt. Die sagen, wir brauchen das um arbeitsfähig zu sein und da kann man sich eben nicht mehr wegducken und sagen, es geht nicht, sondern muss immer weitergehen, immer weitergehen und schauen, wie’s funktioniert und dazu gehört dann zum Beispiel auch, dass viele Kommunen ja heute auch Open-Source immer stärker auch in die Nutzung bringen, wo man’s ja oftmals auch direkt in der Hand hat zu sagen, welche Daten werden erhoben, wie werden sie gespeichert, wo werden sie vor allem auch gespeichert und an wen und in welcher Form werden sie weitergegeben? Das hat man ja bei vielen kommerziellen Diensten zwar über entsprechende Verträge zumindest teilweise in der Hand, aber gänzlich darauf verlassen, da verweisen ja auch die Landesdatenschutzbeauftragten immer wieder auch da drauf, kann man sich natürlich nicht. [Anne Wihan] Ja. Wie wie wäre denn so deine Einschätzung? Ich meine, ich bekomm’s ja auch, sage ich mal, also sowohl für digitale Provinz als auch jetzt aus privaten Gründen bekomme ich ja mit, okay, die Angebote werden immer vielfältiger. Man kann immer mehr über die Website der jeweiligen Kommune, in der man lebt, regeln. Von Hundesteuerbeantragungen über Reisepass zumindestens vorläufig beantragen und so weiter. Wie ist denn grade so aus deiner Sicht der Stand, was was gibt es oder wie weit reichen quasi unsere Grenzen vielleicht auch?
[Felix Schmitt] Mhm, also ich glaube, das kann man zweierlei beantworten. Das eine ist, wenn man sich das Bundesinnenministerium, die ja die Koordination beim Online-Zugangsgesetz innehaben, man dem Bundesinnenministerium glaubt, dann sind wir eigentlich schon sehr weit fortgeschritten, was die Digitalisierung von digitalen Bürgerinnenleistungen angeht. Die sagen nämlich, wir haben über die Hälfte aller 575 notwendigen Dienstleistungen, die bis Ende nächsten Jahres digitalisiert werden müssen, liegen vor. Das heißt, wir haben schon einen Riesenschritt gemacht. Allerdings dieser Blick täuscht doch ein bisschen er täuscht auch vor allem sehr gewaltig, weil das heißt eigentlich nur diese Zahl, dass die Hälfte aller Dienstleistungen digital vorliegen, dass sie in irgendeiner Form irgendwo in Deutschland in irgendeiner Kommune digital angeboten werden und das noch nicht einmal unbedingt in der Form, wie es das Online-Zugangsgesetz überhaupt vorschreibt. Und deswegen ist der zweite Blick auf den Stand, wo wir beim E-Government stehen, glaube ich, der Wichtige. Das ist nämlich, wenn man sich anschaut in den verschiedenen Kommunen, was können die Bürgerinnen denn überhaupt schon machen. Und da ist es ja dann oft dann trotzdem so. Es gibt vereinzelt aber auch immer mehr Leistungen, die online verfügbar sind Aber ist es wirklich selten der Fall, dass komplett online verfügbare Dienstleistungen- dass es mehr als zehn Dienstleistungen in einer Stadt oder in einer Gemeinde, in einem Landkreis gibt, die online verfügbar sind. Sodass wir also von diesem Ziel, dass das online Zugangsgesetz vorschreibt, dass im Prinzip alles, was wir von einer Verwaltung möchten als Bürgerin, alles, was wir beantragen können oder was uns zusteht, dass es auch online funktioniert, da sind wir noch eine ganze Ecke auch von entfernt. Wenn man sich die einzelne Kommune anschaut.
[Anne Wihan] Ja, ich ich habe mich jetzt gerade gefragt, als du als du das erzählt hast, es ist ja auch häufig so, dass man etwas beantragt digital und dann bekommt man aber Bescheide und so weiter trotzdem noch per Post. Warum ist das so? Hat das was mit mit Datenschutz zu tun oder warum vermischt man da digital und analog trotzdem noch miteinander? [Felix Schmitt] Also da gibt’s unterschiedliche Gründe für. Einer der zentralen ist, es gibt zwar inzwischen in allen 16 Bundesländern, auch der Bund hat einen hat ein eigenes Portal, wo sich die Bürgerinnen anmelden können Um dort zum Beispiel auch Behördenpost digital empfangen zu können. Das heißt man registriert sich hier einmal mit seinem eigenen Personalausweis und kann dadrüber sich dann gegenüber einer Kommune authentifizieren, also identifizieren und auch sagen, ja, ich bin’s auch wirklich und damit einen Antrag auch zum Beispiel dann auch abschicken. Und gleichzeitig aber auch zumindest in der Theorie auch entsprechende Bescheide auch empfangen und lesen. In der Realität sind bisher nur sehr vereinzelt auch Kommunen wirklich daran angeschlossen und nehmen auch daran teil und die Zahl der Bürgerinnen, die hier schon angemeldet sind, ist auch bisher verschwindend gering. Ist auch einer der Gründe, warum E-Government vielleicht auch also die reine digitale Beantragung bestimmt auch noch eine Weile brauchen wird, bis sie bei den Menschen auch wirklich angekommen ist. Auf der anderen Seite. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum man immer noch Briefpost bekommt wenn man einen digitalen Antrag gestellt hat, auch der Gesetzgeber ist bei verschiedenen Themen auch weiterhin gefordert. Es sind vor allem inzwischen die Landesgesetzgeber die immer noch in einzelnen Gesetzen das Erfordernis der Schriftform mit drin haben. Es wird zwar immer weniger und es hat sich jetzt auch schon viel getan, aber manchmal ist es auch weiterhin der Fall und wenn hier das Schriftformerfordernis, weiterhin drin ist dann muss im Prinzip auch unterschrieben werden vom Antragsteller, also dann kann auch weiterhin keine keine elektronische Signatur erfolgen und dann geht’s natürlich auch weiterhin per Brief. Datenschutz hat da nur sehr bedingt etwas mit zu tun, weil die digitale Übertragung der Daten wäre natürlich über diese Portale, von denen ich vorhin gesprochen habe, auch möglich. Aber auch hier, was ich vorhin schon mal gesagt habe, dass Datenschutzargument wird trotzdem immer wieder mal vor geholt, wie das auch vor Corona war, aber eher in diesem Sinne, wir haben noch keine Lösung für ein reales Problem. Dann sagen wir einfach mal, nee, wir können’s datenschutzrechtlich noch nicht umsetzen. Manchmal stimmt es, das will ich überhaupt nicht an dieser Stelle auch vom vom Tisch wischen. Aber oftmals ist es auch hier so ein ein Totschlagargument zu sagen, der Datenschutz gewährleistet noch nicht, dass wir hier digital, also über Mail, wo man’s auch nachvollziehen kann, Kommunizieren und deswegen können wir diesen Weg leider noch nicht gehen. Also es würde funktionieren, aber der Aufwand auf beiden Seiten bei Bürgerinnen und Verwaltung ist weiterhin leider noch recht hoch. [Anne Wihan] Du hast vorhin vom Gesetzgeber gesprochen, regeln das die Länder für sich oder die Kommunen für sich oder gibt es da eine einheitliche Regelung? [Felix Schmitt] Also bei den meisten Leistungen, die die Bürgerinnen selbst interessiert, also die sie selber erbringen können, ist in der Regel die Landesgesetzgebung, also die 16 Bundesländer, verantwortlich für die Umsetzung der Regularien und die findet dann eben entsprechend auch ihren Niederschlag in den entsprechenden Landesgesetzen. Und entsprechend müssen Sie hier tätig werden. Wir leben natürlich in einem Föderalismus. Das heißt, es gibt auch immer mal wieder Leistungen, die dann von Bundesebene angestoßen werden, die in der Kommune dann umgesetzt werden müssen. Hier kann’s dann auch wieder sein, dass der Bund es regelt, aber die große Masse, wo es noch notwendige Überarbeitung gibt, die ist in der Tat in den Ländern. Da sind die Länder auch unterschiedlich weit. [Anne Wihan] Und wenn ich jetzt mal aus der Perspektive von digitale Provinz auf das auf das Thema gucke, dann interessieren uns ja vor allen Dingen auch immer die Region, die. Jetzt nicht unbedingt die Hauptstadt sind und  frage ich mich jetzt zum Beispiel, ob es da von Kommune zu Kommune, auch von Großstadt zu vielleicht Kleinstadt Unterschiede gibt. Man man geht ja häufig davon aus, dass was weiß ich Berlin, Hamburg da die absoluten super Vorreiter sind, was bestimmt viele digitale Themen angeht. Da frage ich mich aber, ob das für E-Government im Moment auch gilt. Also ob da die Großstädte  total also viel weiter sind oder ob da alle Kommunen oder viele Kommunen ungefähr auf einem Stand sind. Wie ist da deine Wahrnehmung? Gibt’s da Unterschiede? 
 
[Felix Schmitt] Ja und nein.
[Anne Wihan] Jetzt schieß los. 
 
[Felix Schmitt] Genau, also du hast zum Beispiel vorhin die Stadt Hamburg erwähnt, die in der Digitalisierung auch beim E-Government schon wirklich einige Schritte ähm auch gemacht hat und wo man sich auch ein bisschen was abgucken kann, aber wenn Hamburg Dienstleistungen auch online erbringt, dann wird das eine kleine äh Kommune mit vielleicht 15.000 Einwohnern irgendwo aufm platten Land vielleicht nicht sonderlich interessieren und sagen ja da können wir uns eh nichts abgucken. Das stimmt natürlich auch nur zum Teil. Natürlich kann man sich auch von Hamburg was angucken, aber es ist natürlich eine ganz andere Augenhöhe oder beziehungsweise eben grade keine Augenhöhe, auf der diese Diskussion stattfinden, weil in Hamburg sind natürlich auch die Kapazitäten, die für solche Transformationsprozesse zur Verfügung stehen, sowohl die personellen als auch die finanziellen Ressourcen hintendran ganz andere obwohl die Aufgaben ja eigentlich trotzdem ja die gleichen sind und trotzdem findet man aber auch in ländlichen Regionen, in kleinen Städten auch viele Kommunen, die schon riesige Erfahrung, viel Erfahrung in den letzten Jahren auch gemacht haben und gezeigt haben, es geht. Man kann Leistungen digitalisieren und zwar nicht nur Leistungen nach dem Online-Zugangsgesetz, also wo es rein dadrum geht, das Verhältnis zwischen Bürgerinnen und Verwaltung zu vereinfachen, nämlich durch digitale Dienstleistung, sondern die es auch geschafft haben, diese Dienstleistung in der Verwaltung digital abzubilden. Also es ist eben nicht ich sag mal eben krassesten Fall so ist, dass ein Bürger oder eine Bürgerin einen Antrag digital über ein Formular stellt und der wird dann in der Verwaltung trotzdem in der Poststelle ausgedruckt und läuft dann über die Hauspost zum Sachbearbeiter. Sondern dass möglichst hier auch
Automatisierungen, Softwareseitig ermöglicht sind, also Daten direkt in die Fachverfahren einlaufen können und die Sachbearbeitung dann letztlich einen mehr oder weniger fertigen Bescheid vor sich findet und dann nochmal einen prüfenden Blick drauf werfen muss oder vielleicht auch gezeigt bekommt, wo man vielleicht nochmal speziell drauf schauen muss oder natürlich auch dann, wenn Abwägungen bei einem Bescheid auch notwendig sind. 
 
[Anne Wihan] Also genau, aber was ich eigentlich dazu noch sagen wollte, war natürlich oder war nicht natürlich, sondern ist, dass es ja eigentlich für dünn besiedeltere Regionen viel wichtiger wäre, digitale Angebote zu schaffen, weil wir ja da dann zum Beispiel auch das Problem haben mit was weiß ich für fehlende Mobilität. Das heißt, es wäre total gut für die BürgerInnen wenn sie viele Dinge von zu Hause aus machen könnten und nicht eben-. Also ich meine nicht für jede kleinste Kommune gibt’s ein eigenes Rathaus oder gibt’s eine eigene Anlaufstelle. Dass man da eben weiterkommt, weil’s eben, sage ich mal, in Berlin oder Hamburg einfach leichter ist. Da setzt man sich in die S-Bahn und und fährt, also könnte theoretisch auch mal schnell hinfahren. Das ist natürlich in Kommunen, also jetzt aus meiner Perspektive, sehe ich da viel viel mehr Bedarf weil da einfach das Angebot der Verwaltungen vor Ort, wo man eben einen Besuch abstatten kann, häufig auch nicht für alle umsetzbar ist, ne, also wenn wir jetzt irgendwie Seniorinnen haben die dann irgendwie erstmal sich irgendwo hinfahren lassen müssten oder mit dem Bus, der zweimal am Tag fährt, fahren müssten. Da sehe ich auf jeden Fall auch ein Problem. Wie siehst du das? 
 
[Felix Schmitt] Absolut, also es jetzt ist zum Beispiel mit Berlin ist vielleicht schlecht gewählt an dieser Stelle. Weil die können sich zwar in die S-Bahn setzen, um zur Verwaltung zu fahren. Das Problem ist nur, in Berlin ist sehr ein offenes Geheimnis, dort einen Termin in der Verwaltung zu bekommen. Inzwischen ist es wahrscheinlicher im Lotto vorher zu gewinnen, um irgendwie den Umzug mal auch sattelfest zu machen. Aber die Herausforderungen im ländlichen Raum sind natürlich nichtsdestotrotz sehr viel höher. Einerseits natürlich, weil es für die Menschen natürlich eine reale Erleichterung bedeutet, wenn sie ein oder zweimal im Jahr, wenn Sie mit einer Verwaltung etwas zu tun haben, das von zu Hause machen können, wenn Sie also sich nicht vorher, noch lange überlegen müssen, erstens, was für Dokumente brauche ich, was muss ich wirklich alles da mitbringen? Muss ich das irgendwie noch mal kopieren oder reicht es, wenn ich’s einfach nur zeige oder liegt das vielleicht auch vor? Wie komme ich zum Rathaus hin, ist da ein Parkplatz vor der Tür oder mhm ähm ne genau. Genau und das sind ja ganz andere Herausforderungen, die dort auch gegeben sind und da ist es natürlich ganz offensichtlich, dass es eine absolute Arbeitserleichterung auf beiden Seiten natürlich auch wäre und deswegen erlebe ich auch in ganz vielen Ecken auch in Deutschland, dass sich Kommunen jetzt auch viel viel stärker als das vor kurzem noch der Fall war, also hier rede ich vor ein paar Monaten, dass sie sich zusammenschließen zu solchen Umsetzer-Netzwerken und schauen, wie können wir genau das auch vor Ort gemeinsam auch umsetzen. Also das jetzt eben nicht mehr jeder dafür verantwortlich ist, jede einzelne Leistung, die erbracht werden muss, auch selber zu erbringen, weil damit wären grade kleine Kommunen völlig überfordert. Damit ist auch das Onlinezugangsgesetz bis Ende nächsten Jahres nicht mal ansatzweise umsetzbar. Das funktioniert nur gemeinsam mit anderen Partnerkommunen zusammen und das merkt man, das passiert jetzt in eigentlich allen Bundesländern, dass sich Kommunen auch freiwillig, ohne dass es da irgendein großen Druck von außen, zum Beispiel auch von den Ländern gäbe, die schließen sich zusammen und nutzen die Angebote, die auch vorhanden sind, also so Beispiele, die es da gibt, sind zum Beispiel in Bayern, wo sich 24 Landkreise zusammengeschlossen haben und jetzt mit dem digitalen Werkzeugkasten zwei Punkt null arbeiten und dort die Dienstleistung auf Landkreisebene komplett digital anzubieten und jeder Landkreis muss letztlich nur zwei bis drei Dienstleistungen selber erbringen und die können dann übertragen werden auf die anderen Landkreise und die müssen vereinfacht gesprochen,  eigentlich nur noch das Logo austauschen und gucken, ob vielleicht in ihren eigenen Regularien noch irgendwo etwas steht, was man noch anpassen muss, aber der Arbeitsaufwand ist erheblich vereinfacht und das gibt’s auch in anderen Bundesländern. Also in Baden-Württemberg das sehr rege ready-Netzwerk in dem sich auch eine Reihe von Kommunen zusammengeschlossen haben. Hier in Rheinland-Pfalz, wo ich herkomme, gibt’s auch gleich zwei Netzwerke. Das eine ist das interkommunale Netzwerk digitale Stadt, wo eher die größeren Kommunen, wobei größere Kommunen in Rheinland-Pfalz dann, ich sage mal so, alles so über 20tausend ist, sich darin auch gut zurechtfinden und im E-Government aber auch dadrüber hinaus, in der Digitalisierung eben draußen zusammenarbeiten. Aber auch zum Beispiel das Netzwerk digitale Dörfer, wo man natürlich auch schaut, wie das ganz platte Land, wie die es schaffen die Regularien des Onlinezugangsgesetzes einerseits zu erfüllen, aber gleichzeitig auch den Druck der inzwischen auch von den Bürgerinnen von draußen kommt, den zu kanalisieren und vernünftige Dienstleistungen angepasst auf den ländlichen Raum auch umzusetzen. [Anne Wihan] Richtig, weil’s nämlich dann natürlich auch noch mal andere andere Bedürfnisse gibt von von Region zu Region unterschiedlich. Das klingt ja jetzt erstmal auch so, als würden die Kommunen da ja auch für sorgen, dass das alles ein bisschen schneller geht, weil man sich eben zusammenschließt. Als wenn man dann auch schneller irgendwie ein größeres Angebot schaffen kann für die BürgerInnen in dem jeweiligen Kreis. Trotzdem habe ich so das Gefühl, dass eGovernment für viele natürlich auch erstmal ein bisschen trocken klingt, aber vor allen Dingen für viele immer erstmal so ein lang, also so als langwieriger Prozess sich darstellt. Warum – Nee, beziehungsweise was glaubst du, was muss passieren, damit das ähm. Ja also jetzt muss ich mal kurz starten, sorry. Ähm. Was muss in deinen Augen passieren, damit wir irgendwann so einen Peak haben, bei dem’s dann irgendwie schneller geht oder glaubst du, dass Corona da eigentlich schon dieser Peak war? [Felix Schmitt] Ich glaube, es war ein erster, vielleicht ein Peak, aber der Peak ich glaube, für den Peak braucht es im Prinzip zwei entscheidende Sachen. Das eine ist Leute müssen die Menschen sehen, dass sie bundesweit die wichtigsten Verwaltungsdienstleistungen, die es gibt, flächendeckend digital auch erheben können, weil erst dann spricht es sich auch wirklich rum, erst dann ist es natürlich für die Menschen auch diese digitalen Zugänge auch zu nutzen und dazu gehört aber auch und das ist jetzt der erste Punkt, der Zugang für die Menschen muss wirklich trivial sein und die bisherigen Lösungen, die es hier gibt, wie zum Beispiel den E-Personalausweis, in dem, glaube ich, auch eine Menge Potential steckt. Der ist weiterhin, also auch ich selber tue mir unglaublich schwer ihn zu nutzen und zu sagen, ich finde das Angebot schon gut genug, weil ich glaube, es ist weiterhin halt unglaublich kompliziert. Und eben nicht so nativ, wie man das jetzt zum Beispiel aus dem Online-Banking kennt. Wo die Leute halt auch Erfahrung mit haben. Und hier muss man, ich glaube, das ist der einer der entscheidenden Punkte, wo man weiterhin auch nachgehen muss und schauen muss, wie können wir’s wirklich so einfach und gleichzeitig sicher wie möglich machen und zwar nicht aus der Perspektive einer Verwaltung, sondern aus der Perspektive der Bürgerinnen. Die und das kommt ja noch dazu, in der Regel nur ein, vielleicht zweimal im Jahr überhaupt Kontakt zu einer Verwaltung haben. Und wegen ein oder zwei Verwaltungskontakten da baut man nicht eine große Infrastruktur zu Hause auf. Um diesen einen Schritt dann vielleicht einmal zu machen und im nächsten Jahr hat man dann schon wieder vergessen, wie’s geht und muss dann gleich wieder von vorne loslegen. Also ich glaube, da sind wir leider immer noch nicht so weit sagen zu können, das funktioniert. Da können vielleicht die Portale, die es in den Ländern gibt, auch sinnvoller sein, aber ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass es hier auch teilweise gerade für einmalige Leistungen auch einmalige Zugänge gibt. Also hier ein Beispiel, was ich damit meine:  das Standesamt in Wiesbaden ermöglicht es Paaren, die heiraten wollen das Aufgebot inzwischen auch komplett digital zu beantragen und die Authentifizierung geschieht über ein Video-Ident-Verfahren. Das heißt, man übersendet vorher seine Daten. Und wenn man diese dann dementsprechend eingetragen hat, wird man übergeben an einen Dienstleister, der dann über ein Videotelefonat einmal die Person an sich Authentifiziert den Personalausweis checkt und so weiter. Dafür braucht man keine andere Infrastruktur, denn auch wenn die Leute vielleicht mehrfach heiraten in ihrem Leben, ist es trotzdem in dem Moment wahrscheinlich etwas Einmaliges. Wofür man eben jetzt nicht noch irgendetwas anderes braucht. Und ich glaube, dafür können solche Sachen auch gut funktionieren. Das ist so dieser eine Peak, also der Zugang zu den Leistungen und der zweite, wie ich vorhin schon gesagt habe, die Verwaltungen müssen vor allem darauf schauen, dass die Dienstleistungen, die niederschwellig sind, einfach sind und die häufig in der Nutzung sind, dass die möglichst schnell bei den Bürgern auch ankommen. Das ist in der Stadt zum Beispiel können das solche Sachen sein wie das Anwohnerparken. Was auch manche auch schon inzwischen umgesetzt haben und wo die Leute dann letztlich im ersten Schritt heute vielleicht dann noch einen kleinen Aufkleber zugeschickt bekommen, der dann in die Fensterscheibe geklebt wird und vielleicht zukünftig überhaupt nichts mehr zugeschickt wird, sondern bei der Kontrolle das entsprechende Kennzeichen eben in der Datenbank abgelegt ist und man dann einfach sein Auto eben in den entsprechenden Bezirk hinstellen kann und man sich selber auch gar nicht mehr drum kümmert. Das ist der eine Punkt und da kann man im ländlichen Raum natürlich genauso die gleichen Dienstleistungen auch wieder rausziehen. Und dass man sich anschaut, okay warum kommen die Leute zu uns und was erwarten sie von uns? Und wie können wir genau das im ersten Schritt auch digital anbieten. Und wenn das gegeben ist, also der einfache Zugang und die Abbildung der wichtigsten Leistungen. Ich glaube, dann hat E-Government in Deutschland auch wirklich eine Chance, den Durchbruch in relativ kurzer Zeit dann auch zu schaffen. [Anne Wihan] Du hast ja jetzt grade ganz viele  Beispiele oder einige Beispiele genannt, die jetzt so grad schon praktisch umgesetzt werden. Wenn man sich mal so umhört, ne äh oder auch mal so ins Gespräch kommt, egal ob privat oder beruflich, dann heißt es ja oft, wir müssten das alles digitalisieren. Das muss doch irgendwie alles digital funktionieren. Glaubst du, es gibt Grenzen? Weil es gibt ja zum Beispiel, ich habe so im Vorfeld mit meinem Kollegen Daniel Krüger gesprochen und habe ihn mal so gefragt, ob was  ihn so interessieren würde, wenn ich mit dir spreche und und er hat gesagt, dass es ja so für ihn in seinen Augen sehr nervige Anträge gibt, die mit ganz, ganz viel Papierkram zusammenhängen, zum Beispiel Bauanträge oder irgendwie, wenn man sich ummelden möchte, dass das irgendwie alles noch nicht digital funktioniert. Und da frage ich mich, können solche komplizierteren Anträge auch digital stattfinden oder gibt es da Grenzen? Also glaubst du, es gibt Dinge, die immer irgendwie zumindestens in Teilen analog stattfinden müssen? 
 
[Felix Schmitt] Ja. Aber dieses „Ja“ ist ein klitzeklitzekleines. Ich will vielleicht mal mit einem Beispiel auch wieder starten. Also Estland ist ja eines der Länder, die erstens schon sehr früh angefangen haben, im Prinzip so kurz nach der Unabhängigkeit von der damaligen Sowjetunion und in Estland gibt es heute noch genau zwei Dienstleistungen, die nicht digital erbracht werden können. Und das ist Heirat und Scheidung. Das ist alles und ich sehe auch keinen ernsthaften Grund, warum das in Deutschland nicht anders sein sollte, aber der Weg bis dahin ist ein völlig anderer. Da sind wir jetzt auch nicht vergleichbar mit Estland. Estland hat im Prinzip seine Verwaltungsstruktur so aufgebaut, dass die digitale Erbringung von Angeboten gleich mitgedacht wurde. Davon kann man in Deutschland nun wirklich nicht ausgehen. Als unsere Verwaltung in ihrer Grundstruktur entwickelt wurde und auch weiterentwickelt wurde hatten digitale Dienstleistung und auch dieses Verhältnis zwischen Bürgerinnen und Verwaltung keinen sonderlich hohen Status genossen. Digitalisierung im Prinzip noch gar keinen. Und entsprechend ist der Weg natürlich auch weit und da sind zwei Sachen oder eine Sache, die ganz zuvorderst es im Moment ausschließt dass wir so weit kommen wie Estland heute schon ist und das ist im Prinzip der Austausch von Daten zwischen Verwaltungen. Weil jede Verwaltungsebene, jede Verwaltung auch in den unterschiedlichen Bundesländern arbeiten nach anderen Regeln der Datenerfassung Und hier einen Angleich oder hier einen Angleich der erhobenen Daten und vor allem auch ein Austausch der Daten, also die Implementation von einheitlichen Schnittstellen. Erst wenn das geregelt ist und auch umgesetzt ist, dann können wir auch wirklich diese umgreifenden Sachen auch in Angriff nehmen. Da ist mit dem Registermodernisierungsgesetz jetzt auch das Wesentliche auch in den Angriff genommen worden aber das wird dauern, bis hier wirklich die-  es gibt in Deutschland unzählige Register, also im Prinzip ein Register ist eine eine Datenbank, in der einfach Daten hinterlegt sind und bis die aber angeglichen sind, bis hier ein automatisierter Austausch auf rein digitalem Wege stattfinden kann, das wird noch viele, viele Jahre auch dauern. Wenn das dann aber gegeben ist, dann geht glaube ich erst einmal im Prinzip alles. Also dann kann man so Beispiele, die auch immer wieder auch diskutiert werden, ist, was passiert denn, wenn ein Kind geboren wird. Heute kann man ja schon viele Angaben zum Kind auch vor der Geburt machen, die dann auch hinterlegt werden, aber das lässt sich natürlich unglaublich stark vereinfachen. Also wenn man vorher die Angaben zum erwarteten Kind, digital schon mal an die Verwaltung auch schickt und wenn das Kind dann zur Welt kommt, das Krankenhaus im Prinzip dann nur noch wie heute ja ein Stück weit auch, so digital sein Go gibt und dann die Verwaltung unter sich alle Daten automatisch austauschen und das heißt dann eben jetzt nicht nur, ein Kind wird irgendwo registriert. Sondern dazu gehört dann das Kindergeld wird ausgezahlt. Was bis heute ein unglaublich aufwändiger Prozess ist. Das Elterngeld wird ausgezahlt, der Arbeitgeber wird informiert, dass ab sofort eben der Mutterschutz bis zum so und vielten Tag nach der Geburt gilt. Die Steuernummer, die heute schon da ist die gibts ja schon. Aber es gibt so viele Sachen, die da eben drum herum sind, die Eltern heute belasten. Die dann einfach wegfallen. Und man hat auch keine Angst mehr, dass man irgendetwas vergessen hat. Sondern die Verwaltungen kümmern sich darum, dass alle die notwendigerweise von der Geburt eines Kindes erfahren, genau diese Information auch bekommen. Die Krankenkassen natürlich zum Beispiel auch und eben nicht nur das Finanzamt, was ja heute informiert wird. Also das ist ja auch ein Beispiel was ja viele Eltern glaube ich auch kennen. Die Zuweisung der Steuernummer ist für die meisten Neugeborenen ja die erste Post die sie erhalten. Aber das kann ja irgendwie nicht alles sein an dieser Stelle. Da kann man dann auch gut schauen, was gibt es denn schon. Auch von den komplexeren Anträgen. WAs kann man damit auch schon machen. Bauanträge zum Beispiel, ist ein gutes Beispiel. Denn das gibt es. Es funktioniert auch. Und die Kommunen die es umgesetzt haben die berichten auch, dass es eine unglaubliche Arbeitserleichterung für sie sein kann. Nicht nur jetzt wo die Leute aus der Bauverwaltung vielleicht von zuhause arbeiten. Und durch die digitale Antragstellung und die digitale Bearbeitung von Bauanträgen in der Lage sind von zuhause zu arbeiten. Sondern insgesamt die Prozesse auch wenn sie im Büro sind beschleunigt sind. Also ein Beispiel ist zum Beispiel der Landkreis Nordwest-Mecklenburg. Die seit 2019 glaube ich schon angefangen hatte den digitalen Bauantrag auch aufzusetzen und seit Januar jetzt auch in der Lage sind den kompletten Prozess auch digital abzubilden. Das heißt die Einreichung über entweder Bürger*innen oder Architekten kann digital, beziehungsweise soll oder muss digital erfolgen und es wird auch automatisch geprüft, liegen alle Dokumente vor. Das ist ja auch so ein sehr aufwändiger Schritt, die einen Bauantrag verzögern können. Man reicht die Dokumente ein und vier Wochen später die erste Nachricht, die dann per Post zurück kommt ist, ach da fehlt übrigens noch was. Das kann man natürlich automatisiert erheblich beschleunigen, dass also in dem Moment, bevor abgeschickt wird, schon eine Meldung kommt: Folgendes fehlt nicht, hier das bitte entweder nachreichen oder jetzt uploaden.  Das kann natürlich ein Prozess erheblich beschleunigen. 
Die Anträge können auch gemeinsam online bearbeitet werden. Also wenn jetzt der aus der aus der Bauverwaltung der Hinweis kommt, da muss noch was verändert werden, sonst entspricht es nicht unserer  unserer unserer lokalen Satzung.  dann kann das direkt online eben entsprechend auch angepasst werden oder nachgereicht werden. Was bisher natürlich auch wieder viele, viele Tage, wenn nicht sogar Wochen an Verzögerungen auch bedeutet, aber auch hier, das ist etwas, was ich am Anfang ja auch gesagt hatte, viele Leistungen gibt es, aber nicht überall und digitale Bauanträge ist bisher wirklich immer noch so ein  eines der Felder, die sehr vereinzelt stattfinden. Also ich kenne nur eine Handvoll Kommunen, die wirklich komplett digitale Bauanträge erstens überhaupt empfangen können und zweitens auch bearbeiten können. Und der zweite Punkt Umzüge zum Beispiel. Das ist ja auch so ein wirklich nerviges Thema. Also an wen man da alles denken muss, bei so einem Umzug. Jedes Mal, wenn ich das gemacht habe, habe ich auch mindestens die Hälfte derjenigen, die davon erfahren sollten auch vergessen. Es funktioniert heute in den allermeisten Städten und Verwaltungen, wenn man innerhalb einer Stadt, innerhalb eines Verwaltungsbezirkes umzieht Das geht heute eigentlich in den meisten auch komplett digital. Wenn’s dadrüber hinaus geht, also wenn ich jetzt von Mainz zum Beispiel nach Berlin ziehen möchte wieder völlig anders aus. Sei es wieder der Punkt, Registermodernisierung. weil hier funktionieren einfach die Register in Rheinland-Pfalz und in Berlin nicht miteinander. Das heißt, sie können nicht vernünftig miteinander kommunizieren und entsprechend müssen diese Schritte dann wieder händisch erfolgen und es gibt keine Informationen der Krankenkasse, es gibt keine Informationen, vielleicht der Bank oder sonstiger Dienstleister der GEZ und so weiter, wo man einfach nur sagen muss, okay Stadt ich ziehe um kümmere du dich bitte um den Rest und irgendwo im Hintergrund ist bekannt wer diese Informationen alle bekommen muss und ich muss mich um nichts mehr kümmern an dieser Stelle. Das gibt es halt noch nicht. Und ich glaube, mit dem, was auf dem Weg ist kommen wir irgendwann dahin, aber das wird nicht Ende nächsten Jahres der Fall sein. So, das war’s für heute. Hast du noch Fragen oder willst mehr wissen? Dann schreib mir eine E-Mail an podcast@felixschmitt.de und ich melde mich bei dir. Ich freue mich auch über deine Themenwünsche. Zu welchem Thema der kommunalen Digitalisierung möchtest du gerne etwas hören? Auch hier gilt, schreib mir eine Mail an podcast@felixschmitt.de. Möchtest du mehr über die kommunale Digitalisierung erfahren? Dann kannst du auch meinen Newsletter abonnieren. Hier versorge ich dich immer freitags mit Tipps und Tricks mit Informationen und Hintergründen. Ich würde mich freuen, wenn ihr auch bei der nächsten Folge dabeibleibt, also den Podcast auch abonniert. Wichtig ist mir dein Feedback, damit ich von Anfang an über das sprechen kann, was dir auch wirklich wichtig ist. Darum freue ich mich über eine Bewertung bei iTunes, Spotify oder wo auch immer du diesen Podcast gerade hörst. Bis zum nächsten Mal, dein Felix Schmitt.