7 Schritte zu erfolgreicher digitaler BürgerInnenbeteiligung

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Ein Kernbestandteil kommunaler Digitalisierungsprojekte sollte immer sein, die Menschen, ihre Probleme und Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. So gelingt es am effektivsten, Lebensqualität zu erhöhen, den Wirtschaftsstandort zu verbessern, also die eigene Kommune weiterzuentwickeln. Aber wie bekommt man Feedback, Ideen und Beteiligung umgesetzt, wenn physische Veranstaltungen bis auf weiteres nicht denkbar sind?

Hier kommt die digitale BürgerInnenbeteiligung ins Spiel, die genau das erreichen kann.

Viele Beispiel, wie Bürgerbeteiligung vor Ort aussehen kann, welche Vorzeigeprojekte und welche Fehlschläge es gibt, habe ich in Folge drei meines Podcasts zur kommunalen Digitalisierung vorgestellt. Wer hier mehr erfahren möchte, für den lohnt sich bestimmt ein Abo meines Podcasts.

Unter anderem erwähne ich dort die Beteiligungsplattformen in Karlsruhe und Bielefeld, das Berliner Start-Up Fix my Berlin, die Gemeinde Wennigsen (Niedersachsen), ein Beteiligungsprojekt der Tennet, oder die Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebharsdshain (Rheinland-Pfalz).

Digitale BürgerInnenbeteiligung – So bekommen Städte und Gemeinden passendes Feedback

Dort habe ich auch beschrieben, dass es bestimmte Erfolgsfaktoren gibt, die bei erfolgreich durchgeführten Projekten zu finden waren und bei Misserfolgen in der Regel gefehlt haben. Wer sich jetzt unbedingt den Podcast anhören möchte, findet hier alle Folgen und viele Möglichkeiten, ihn zu abonnieren.

Erfolgsfaktoren für digitale BürgerInnenbeteiligung

Was lässt sich aus erfolgreichen digitalen BürgerInnebeteiligungsmodellen lernen? Vor allem diese sechs Punkte:

  • Klare Zielgruppe definieren
    Nur ganz selten sind alle BürgerInnen einer Stadt oder Gemeinde die richtigen Adressaten für ein Projekt. Je spezifischer die Gruppe, desto höher ist die jeweilige Beteiligung.
  • Online, offline, hybrid: Das Format muss zum Problem passen
    Das optimale Format für ein Beteiligungsprojekt hängt immer von den Rahmenbedingungen, vor allem von den gewählten Zielen und dem vorhandenen Problem ab.
  • Beteiligung muss sich für die BürgerInnen lohnen
    Wenn Menschen sich in ihrer Freizeit an einem, manchmal auch sehr zeitintensiven Projekt beteiligen sollen, müssen sie wissen, warum es sich für sie auch lohnt. Zum Beispiel sollte der erwartete Zuwachs an Lebensqualität, an sicherer Mobilität, an einer attraktiveren Infrastruktur immer im Mittelpunkt der Kommunikation stehen. Damit hilft man auch zu verhindern, dass Kritik und Ablehnung in einem Beteiligungsprozess im Mittelpunkt stehen.
  • Information und Transparenz sind online noch wichtiger
    Die Informationen einer Präsenzveranstaltung stehen in der Regel nur für wenige Stunden zur Verfügung. Den BürgerInnen ist bewusst, dass nach der Veranstaltungen die Informationen nicht mehr für sie greifbar sind. Die Erwartungshaltung bei online-Prozessen ist allerdings, dass genau dies anders ist. Informationen stehen umfangreich und dauerhaft online zur Verfügung.
  • Beteiligung zeitlich nicht eng begrenzen
    Eine Bürgerversammlung dauert vielleicht zwei Stunden. Das ist aber nicht der Rahmen, der für Online-Formate sinnvoll ist. Je umfangreicher und komplexer ein Prozess ist, desto länger müssen einzelne Beteiligungsphasen offen gehalten werden.
  • Offline begleiten und intensiv für Beteiligung werben  
    Egal wie herausragend eine Online-Plattform für Beteiligungsformate auch gebaut wurde, viele Mitglieder der gewünschten Zielgruppe finden nicht automatisch dorthin. Werbung für die Beteiligung muss darauf Rücksicht nehmen, wo die Zielgruppe erreicht wird. Und das ist in fast allen Fällen offline einfacher.

7 Schritte zur erfolgreichen BürgerInnenbeteiligung

In meinem Podcast habe ich sieben Schritte zu einer erfolgreichen digitalen BürgerInnenbeteiligung versprochen. Und das Versprechen möchte ich natürlich halten. Ich erwähne immer, dass lokale Projekte auch immer eine individuelle Lösung verlangen. Daher setzen diese Schritte auch nur den Rahmen, innerhalb dessen sich Verwaltungen bemühen müssen, passende Tools und Wege zu finden.

  1. Ziele des Beteiligungsprojekts klären
  2. Alle internen Beteiligten müssen mitmachen (wollen)
  3. Passende Mitmachangebote definieren
  4. Information und Transparenz sicherstellen
  5. Tools auswählen, die zu Zielen und Zielgruppe passen
  6. Kommunikationswege festlegen und planen, Offenheit beibehalten
  7. Werbung und Aktivierung

Ziele des Beteiligungsprojekts klären

Ziel einer Beteiligung sollte es nie sein, Menschen einfach nur zu beteiligen. Viel zu schnell geraten solche Projekte unter Showverdacht oder sind letztlich nur eine Pseudobeteiligung. Es müssen konkrete, messbare oder politische Ziele verfolgt werden. Das kann zum Beispiel sein:

  • Gemeinschaftsgefühl eines Quartiers oder einer Wohngegend erhöhen.
  • Kritisch gesehenes Projekt durch Beteiligung ermöglichen
  • Innovative Ideen finden und Projekte umsetzen
  • Legitimation der Lokalpolitik steigern
  • Wahrnehmung der Verwaltung und Image der Gemeinde verbessern
  • Stadtentwicklung vorantreiben

Alle Beteiligten müssen mitmachen (wollen)

Beteiligte Projektträger, Ämter und EntscheidungsträgerInnen dürfen einen Beteiligungsprozess nicht hintertreiben wollen. Der Schaden wäre auf allen Seiten immens. Vor allem das Ansehen in die lokalen PolitikerInnen ist oftmals erheblich angeschlagen.

Passende Mitmachangebote definieren

Was braucht das Beteiligungsprojekt um erfolgreich umgesetzt zu werden? Hier müssen bereits einige konzeptionelle Vorentscheidungen getroffen werden:

  • Befragungen oder Bewertungen
  • Ideensammlung oder Ideenwettbewerbe
  • Eingabe von Anliegen, Anregungen und Vorschlägen
  • Frage-Antwort-Dialoge mit der Verwaltung
  • Aufbereitetes, interaktives Kartenmaterial

Information und Transparenz sicherstellen

Zu jeder Zeit müssen alle wesentlichen Informationen zum Projekt und den Projektschritten vorliegen. Ergebnisse müssen dem genutzten Tool angemessen aufbereitet und vorgestellt werden.

Tools auswählen, die zu Zielen und Zielgruppe passen

Die Anforderungen zum Projekt und dem Tool sind nun weitgehend bekannt. Mit diesem Wissen kann nun ein Tool oder verschiedene Beteiligungswerkzeuge ausgewählt und auf einer entsprechend eingerichteten Plattform zur Verfügung gestellt werden.

Kommunikationswege festlegen und planen, Offenheit beibehalten

Es braucht eine dauerhafte Kommunikation zwischen Verwaltung und Beteiligten. Vorab sollten Vorschläge erarbeitet werden, wie diese Kommunikation stattfinden soll. Wichtig hier: Aus der Sicht der NutzerInnen denken! Der beste Weg für die Verwaltung ist nicht immer der richtige Weg zum erfolgreichen Beteiligungsprojekt.

Im Laufe des Projektes kann sich herausstellen, dass die NutzerInnen andere Kommunikationswege bevorzugen oder ganz natürlich nutzen. Wenn beispielsweise über soziale Netzwerke Diskussionen entstehen, lohnt es sich manchmal diese aufzugreifen und aktiv zu führen.

Werbung und Aktivierung

Die Onlinebeteiligung muss in der gewünschten Zielgruppe beworben werden. Dabei können die amtlichen Kommunikationswege eine Möglichkeit sein. Aber gerade dann, wenn besonders spezifische Zielgruppen erreicht werden sollen, muss sich intensiv darüber Gedanken gemacht werden, wie Menschen dort erreicht und aktiviert werden können. Eine zentrale Botschaft sollte dabei immer den Nutzen herausstellen, den die Menschen von den erhofften Ergebnissen erwarten dürfen .

Berücksichtigen Sie hier: Bei nicht übermäßig digital-affinen Beteiligten, sollten von vorn herein Kapazitäten bereitgehalten werden, diese Menschen dabei zu unterstützen, sich am Prozess zu beteiligen.